Deutsch lernen, Deutschlerner schreiben
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Wie die Deutschen wirklich sind. – Mein Bild von den Deutschen, vorher und nachher.

Einblicke in die Welt der Roboter

Ein Text von Mihaela Pavel aus Rumänien, die seit fast zwei Jahren in München lebt.

Wie die Deutschen sind - Welt der Roboter

Die Deutschen sind ein kaltes Volk. Sie sind unfreundlich, überaus sachlich wie Roboter. Eine unmenschliche Nation, die nur an die Arbeit und an sich selbst denkt. Solche Meinungen hört fast jeder Ausländer, der sich überlegt, nach Deutschland zu reisen oder zu ziehen. Das ist das Bild, das ich gekannt habe, bevor ich nach Deutschland umzog.

„Na gut“, habe ich mir mit diesem Unmenschlichkeitsbild vor Augen ein paar Tage vor dem Umzug gesagt. „Ich bin bereit ins Roboterland einzutauchen“, denn ich befand mich schon lange im Egoismus-Modus. In meinem Heimatland war ich daran gewöhnt, immer an mich selbst zu denken. Meine Bedürfnisse, meine Interessen kommen zuerst! Wer kein Egoist ist, der ist einfach ein schwacher Mensch! Ehrenamtliche Arbeit? Das ist nur was für Schüler, Studenten und Nonnen! „Time is money“ oder „Zeit ist Geld“ wie die Übersetzung heißt. Zu viel Aufmerksamkeit und Höflichkeiten sind verschwendete Zeit. Versteht mich nicht falsch: ich finde, dass ein bisschen Egoismus nicht schadet. Man lernt, für sich selbst zu kämpfen und an die eigene Zukunft zu denken. So war ich erzogen worden. Ich dachte, dass ich die Menschen und die Gesellschaftsstandards kenne. Das Leben, das ich hautnah in Deutschland entdeckte, hat mich dann aber zum Nachdenken darüber gebracht, ob meine Lebenseinstellungen und mein Weltbild noch stimmen.

Hier in Deutschland habe ich etwas Komisches erlebt. Eines Tages war ich im Bus auf meinem Weg nach Hause. Da war eine Frau mit ihrem Kind, die aussteigen wollte, jedoch vergessen hatte, rechtzeitig auf den Stopp-Knopf zu drücken. Erst sehr kurz vor der Bushaltestelle drückte sie, doch der Busfahrer hielt nicht mehr an. Natürlich war die Frau sauer und wirkte unzufrieden. „Hier kommt der Skandal“, dachte ich. Vieles deutete für mich darauf hin. „Jetzt wird der Fahrer nervös. Er wird die Stimme erheben und mit der Dame streiten.“ Mein Kopfkino war angesprungen. Aber der Fahrer blieb ruhig. Er erklärte höflich, dass sie früher auf „Stopp“ drücken müsse, da er so plötzlich nicht an der Haltestelle bremsen könne. Die Frau sagte nichts. „Wie bitte? Ohne Skandal? Wird sie nichts sagen? Unfassbar!“ Dann ist etwas noch Seltsameres passiert. An der nächsten Haltestelle hielt der Bus an und der Fahrer entschuldigte sich bei der Frau. Außerdem zeigte er ihr netterweise, wo genau sie den Bus nehmen konnte, um zurückzufahren, und er sagte ihr, wann der nächste Bus auf der anderen Seite komme. Dann unterhielt er sich ungefähr eine Minute mit ihr. Am Ende haben beide „danke“ gesagt und sich einen schönen Tag gewünscht. Das war ein Schock für mich. Leute können einfach so nett zueinander sein? Sind sie wirklich Menschen? Wo ist die Roboterwelt, die ich erwartet hatte?

Ich bin immer noch überrascht, wie viele Deutsche sich ehrenamtlich in einem Verein engagieren. Für viele von ihnen ist „Engagement“ das beliebteste Wort. Arbeiten, ohne Geld dafür zu bekommen? Für die Gemeinschaft, für andere Menschen, für soziale Gerechtigkeit? Ist das ein Märchen? Dieses „Engagement“ sah ich aber so oft in kleinen Gesten des Alltagslebens.
Ein Mädchen hat einem älteren Mann, der nicht so gut laufen konnte, einfach so Hilfe angeboten. Ein anderer Mann hat einer Frau geholfen, den Weg zu finden, obwohl er in Eile war. Nach einem kurzen Smalltalk wie zum Beispiel „Wann kommt die Tram an?“, sagen unbekannte Personen zueinander „Tschüss“ und lächeln. Nach meinem ersten Smalltalk über den Regen sagte ich danach nichts und wünschte keinen schönen Tag – „Zeit ist Geld“, nicht wahr? Mein Smalltalk-Partner, eine ältere Dame, machte große Augen. Achtung! Unhöfliche Frau in der Nähe! Ich schämte mich.

Das sind nicht die Deutschen, von denen ich gehört hatte, dass sie kalt und unfreundlich seien. Selbstverständlich gibt es Ausnahmen, wie überall in der Welt, und meine Erfahrungen stimmen vielleicht nicht mit denen anderer überein. Doch die kleinen Gesten, die ich hier bemerkt habe, haben mich beeindruckt. Das ist kein Robotervolk und die Unhöflichkeit ist nicht eine Eigenschaft der Deutschen. Ganz im Gegenteil! Ich war eine unhöfliche Ausländerin, die ganz schnell ihre Lebenswerte umstellen sollte. Bis dahin aber lasse ich mich gern weiter von den Deutschen überraschen. Was wird als Nächstes kommen?

Ein Text von Mihaela Pavel aus der Reihe Deutschlerner aus aller Welt schreiben.

Mihaela Pavel kommt aus Rumänien und lebt seit fast zwei Jahren in München.

Hier lest ihr Mihaelas Text zum Thema Deutschlernen in den Sozialen Medien.

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