Tipps zum Deutschlernen
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Kinder zweisprachig erziehen – bilinguale Erziehung – Tipps für Zweisprachigkeit

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Bilinguale Erziehung – der Weg zur Zweisprachigkeit

Eine wirkliche Zweisprachigkeit des Kindes ist möglich, kommt aber nicht von allein. Bilinguale Erziehung ist ein langer Weg, der Anstrengungen, Ausdauer und Konsequenz erfordert. Wer sein Kind zweisprachig erziehen will, wird sehr bald feststellen, dass dies gar nicht so einfach ist.

Wir wollen in diesem Artikel Wege aufzeigen, wie man die Zweisprachigkeit seiner Kinder erreichen kann. Die Tipps zur bilingualen Erziehung basieren auf unseren Erfahrungen als Sprachlehrer und Eltern zweisprachiger Kinder.

Jedes Kind ist einzigartig, jedes Kind lernt anders

Das Wichtigste vorweg: Jedes Kind ist einzigartig und der Spracherwerb verläuft bei jedem Kind anders. Das ist nicht nur bei Kindern der Fall, die nur eine Sprache lernen. Auch bei Kindern, deren Eltern zwei verschiedene Sprachen sprechen, kann dieser Prozess völlig unterschiedlich ablaufen.

Zeitpunkt und Ablauf des Spracherwerbs

Nicht nur der Zeitpunkt, wann das Kind zu sprechen anfängt, ist von Kind zu Kind unterschiedlich, auch der Lernprozess kann bei jedem Kind anders verlaufen. Unter Kindern, die zweisprachig aufwachsen, gibt es immer welche, die beide Sprachen von Anfang an trennen und sich sehr früh darüber bewusst sind, dass es sich um zwei verschiedene Sprachen handelt, während andere Kinder beide Sprachen zunächst mischen oder aber eine der beiden Sprachen (meist ist es die Sprache, die am Lebensmittelpunkt gesprochen wird) deutlich bevorzugen. Sogar bei Geschwistern kann dieser Spracherwerbsprozess völlig unterschiedlich ablaufen. Kinder, die bilingual aufwachsen, beginnen auch nicht unbedingt später mit dem Sprechen.

Bilinguale Erziehung – Chance und Pflicht

Die Zweisprachigkeit des Kindes ist eine einmalige Gelegenheit, eine Chance, die man nur einmal im Leben bekommt. Nimmt man diese Chance nicht im richtigen Augenblick wahr, wird das Kind nie wirklich zweisprachig sein.
Dass ein Kind beide Sprachen lernt, ist aber nicht nur eine große Chance, es ist auch eine Pflicht, nicht nur dem Kind gegenüber, sondern auch gegenüber den Großeltern. Denn wie schlimm muss es für Opa und Oma sein, wenn sie mit ihrem Enkelkind nicht kommunizieren können!

Aber wie kann das Kind perfekt Deutsch lernen, wenn es nicht in einem deutschsprachigen Land aufwächst?

Der richtige Zeitpunkt für zweisprachige Erziehung

Die bilinguale Erziehung beginnt spätestens mit der Geburt des Kindes. Spätestens, denn auch während der Schwangerschaft ist es wichtig, dass das Baby bereits seinen Vater oder seine Mutter Deutsch sprechen hört.
Mit der Geburt des Kindes wird eine ausnahmslos auf Deutsch erfolgende Kommunikation des deutschsprachigen Elternteils mit dem Kind zur absoluten Pflicht. Es gilt dabei auch zu bedenken, dass sich auch Vater oder Mutter manchmal erst an die Kommunikation auf Deutsch mit dem Kind gewöhnen muss, besonders wenn die Kommunikation mit dem Partner/der Partnerin bisher eher in der Sprache des Wohnortes erfolgt ist oder der andere Elternteil eventuell der deutschen Sprache überhaupt nicht mächtig ist. Die Gewohnheit und der Prozess der Gewöhnung an das Sprechen mit dem Baby auf Deutsch darf nicht unterschätzt werden. Also, sprecht viel mit dem Baby, und von Anfang an auf Deutsch!


Wir empfehlen euch:

Ideal für Kinder, die zweisprachig aufwachsen:
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Deutsch ohne Ausnahme

Das Kind wächst in einem nicht-deutschsprachigen Umfeld auf. Die Kommunikation außerhalb der Familie und auch mit den Verwandten des nicht-deutschsprachigen Elternteils erfolgt in der jeweiligen Landessprache. Viele Dinge und Erfahrungen, auf die sich das Kind in seinen Gesprächen mit dem deutschsprachigen Elternteil bezieht, sind in der jeweiligen Landessprache erfolgt. Da fällt es oft schwer, konsequent bei einer Kommunikation auf Deutsch zu bleiben. Insbesondere dem Kind würde es viel leichter fallen, über Erlebnisse in der Kita oder auf dem Spielplatz in der Sprache zu sprechen, in der es diese Erfahrungen gemacht hat. Hier ist es ganz wichtig, keine Ausnahmen zu machen und das Kind daran zu erinnern: Mit mir immer nur auf Deutsch!“
Das wird besonders schwerfallen, wenn andere Anwesende kein Deutsch verstehen. Es ist aber weder unverschämt, noch respektlos, auch in solchen Situationen mit dem Kind ausschließlich Deutsch zu sprechen. Gegebenenfalls kann man den Anwesenden kurz zusammenfassen, was gesagt wurde. Und wenn man erklärt, warum man auch in Gegenwart anderer Menschen mit seinem Kind nur Deutsch spricht, wird man auf Verständnis stoßen.

Besondere Situationen

Es wird auch Situationen geben, in denen man will, dass Umstehende wissen, was man seinem Kind sagt, z.B. auf dem Spielplatz, wenn unser Kind einem anderen etwas weggenommen oder ihm wehgetan hat. Dann wollen wir ja, dass auch die Eltern des anderen Kindes verstehen, dass wir unser Kind auf sein Fehlverhalten hinweisen.
Manchmal sagen wir unserem Kind aber auch etwas, das eigentlich für die Ohren einer anderen Person bestimmt ist. Wenn z.B. unser Kind etwas von einer anderen Person will, uns das auf Deutsch sagt, und wir ihm dann sagen, dass es doch einfach diese Person fragen soll. In einem einsprachigen Umfeld versteht diese Person, was wir dem Kind sagen. Sie ist somit über das Anliegen des Kindes informiert und kann dem kleinen Kind vielleicht entgegenkommen, wenn dieses sich nicht traut, zu fragen. In einem nicht-deutschsprachigen Umfeld, hat die andere Person jedoch keine Ahnung, worum es geht. Diese Erfahrung werden deutschsprachige Eltern im Ausland machen. Trotzdem sollten sie in einer solchen Situation nicht in die jeweilige Landessprache wechseln. Notfalls kann man das, was man seinem Kind auf Deutsch gesagt hat, noch einmal kurz in der Landessprache wiederholen.

Sprechen, sprechen, sprechen

Es klingt logisch, aber davon hängt der Erfolg ab. Sprecht von Anfang an viel mit dem Kind, mehr als mit einem einsprachigen Kind. Auch wenn es noch ein Säugling ist, solltet ihr so viel wie möglich mit ihm sprechen. Es ist egal, ob es versteht, was ihr sagt. Bedenkt, dass ihr vielleicht das einzige deutschsprachige Vorbild für das Kind seid!
Viel zu sprechen ist also grundlegend für den Lernerfolg. Erzählt mehr, beschreibt, was ihr seht, wenn ihr spazieren geht, sagt, was ihr gerade tut. Das Kind wird euch hören, assoziieren und lernen. Wenn ein Kind in einem deutschsprachigen Land aufwächst, geschieht alles auf Deutsch, alle sprechen Deutsch. Im Ausland muss häufig eine einzige Person das alles ersetzen.
Das Kind wird Wege finden, sich mitzuteilen, auch wenn die deutsche Sprache ihm größere Schwierigkeiten bereiten sollte als die Landessprache. Es wird die Sprache vereinfachen und Strategien finden.


Mit Bildkarten Deutsch lernen

Mit unseren Bildkarten könnt ihr auch zu Hause mit euren Kindern Deutsch lernen. Die Bilder gibt es in unserem Shop als PDF zum Herunterladen, Ausdrucken und Ausschneiden.

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Was machen wir bei Fehlern?

Das führt uns zu der Frage: Was machen wir bei Fehlern? Natürlich macht das Kind Fehler, wie jedes einsprachig aufwachsende Kind auch. Es erfindet neue Wörter, drückt unregelmäßige Formen regelmäßig aus, verwechselt Artikel, spricht bestimmte Buchstaben grundsätzlich falsch aus usw. Natürlich sollte man nicht anfangen, jeden einzelnen Fehler zu korrigieren, dass würde uns selbst und das Kind verrückt machen. Bei einem einsprachigen Kind tun wir das ja auch nicht. Aber auch hier muss man bedenken, dass ein Kind, das einsprachig aufwächst, einen so großen, konstanten und kontinuierlichen sprachlichen Input bekommt, dass es Fehler mit der Zeit automatisch eliminieren und irgendwann perfekt sprechen wird.

Sprachliche Vorbildfunktion

Sind wir jedoch die einzige deutschsprachige Quelle für das Kind, sollten wir versuchen, mit den sprachlichen Vorgaben, die wir dem Kind geben, auf dessen Fehler einzugehen, denn wenn nicht von uns, dann wird das Kind wohl nie die richtige Version dessen, was es gesagt hat, hören.
Wenn unser Kind während der ersten Jahre des Spracherwerbs etwas sagt, das einen Fehler enthält (also fast alles, was es sagt), dann können wir diesen Satz ganz natürlich und beiläufig in korrigierter Form wiederholen. So hört das Kind die richtige Form und irgendwann wird es dann einige Fehler nicht mehr machen. Eine andere Möglichkeit ist, in korrigierter Form nachzufragen. Das Kind fragt uns z.B.: „Wer ist die Mann?“. Wir fragen nach: „Wer ist der Mann? Der Mann heißt…“

Ab einem Alter von 5 oder 6 Jahren dürfen wir ruhig auch mal etwas explizierter erklären, z.B. wenn das Kind die Possessivartikel der dritten Person Singular (sein/ihr) verwechselt. Mama, ihr, Papa, sein“. Natürlich verwenden wir dabei nie die Fachbegriffe der Grammatik und korrigieren auch nicht jedes Mal.

Generell gilt aber, dass wir bei Fehlern versuchen, implizit mit dem, was wir sagen, sprachlich richtige Vorbilder zu geben. Zum Beispiel, wenn das Kind mit den Präpositionen und Dativ bzw. Akkusativ durcheinanderkommt (Was normal ist). Das Kind sagt z.B. „Ich bin in die Küche.“ Wir sagen: „Du bist in der Küche. Wenn du in der Küche bist, komme ich jetzt auch in die Küche. Siehst du, schon bin ich bei dir in der Küche.“ Das Kind wird den Fehler dann wahrscheinlich weiterhin machen, aber irgendwann eben nicht mehr.

Fernsehen, Serien, Internet, Bücher, Spiele, Radio auf Deutsch

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Deutsch lernen mit Medien | Illustration von Delia Tello

Das Angebot an deutschsprachigen Filmen, Videos, Büchern und Spielen ist hervorragend und muss genutzt werden! Es bereichert und schafft neue Anreize, die deutsche Sprache zu beherrschen. Gleichzeitig ist es auch eine Belohnung für das Kind, wenn es sich neue, schöne Inhalte ausschließlich dank der deutschen Sprache erschließen kann. Schon früh sollten wir dem Kind deshalb Geschichten auf Deutsch erzählen oder vorlesen.
Für das Kind wird es eine besondere Motivation sein, wenn es die Erfahrung macht, dass die Beherrschung der deutschen Sprache etwas bringt, zu etwas gut ist und ihm neue Welten eröffnet. Schon ab einem Alter von zwei Jahren kann das Kind schon mit tiptoi von Ravensburger* selbstständig Deutsch hören und lernen.
Für den Lernprozess und das Erreichen einer wirklichen Zweisprachigkeit ist es unerlässlich, dass das Kind nicht nur das Deutsch des Vaters oder der Mutter hört. Da das deutschsprachige Umfeld fehlt, braucht das Kind mehr deutschsprachigen und von den Eltern unabhängigen Input. Idealerweise sieht das Kind in den ersten Jahren nur Videos und Filme auf Deutsch.

Immersion schaffen

Es ist wichtig, jede Gelegenheit zu nutzen, das Kind in ein deutschsprachiges Umfeld eintauchen zu lassen. Ferien bei Opa und Oma in Deutschland, Ausflüge mit Onkel, Tanten, Cousins und Cousinen. Vielleicht kann das Kind während des Urlaubs in Deutschland beim dortigen Sportverein mittrainieren, eine Kita oder den Kindergarten besuchen. Wird das Kind älter, kann es an Ferienfreizeiten, so wie sie zum Beispiel von vielen Jugendherbergen angeboten werden, teilnehmen.
Aber auch am nicht-deutschsprachigen Wohnort können wir versuchen, ab und zu ein deutschsprachiges Umfeld zu schaffen, damit das Kind erfährt, dass die deutsche Sprache nicht nur zur Kommunikation mit Papa oder Mama dient. Vielleicht gibt es an unserem Wohnort andere Kinder, die auch deutschsprachig aufwachsen, und mit denen wir uns regelmäßig treffen können. So stellen wir dem Kind verschiedene deutschsprachige Vorbilder zur Verfügung.

Kindergarten und Einschulung

Wenn das Kind keinen deutschen Kindergarten und keine deutsche Auslandsschule besucht, beginnt mit der Einschulung bzw. mit dem ersten Tag im Kindergarten eine neue Herausforderung. Spätestens jetzt wird im Leben des Kindes die Landessprache dominieren, denn das Kind wird nun einen großen Teil des Tages in einem Umfeld verbringen, in dem niemand Deutsch spricht. Seine Erlebnisse und Erfahrungen werden jetzt alle in der Landessprache erfolgen. Der Einfluss des schulischen Umfelds und besonders der gleichaltrigen Mitschüler darf nicht unterschätzt werden.


Noch eine Empfehlung für euch:

Rechtschreibung lernen mit den
Selbstlernheften Rechtschreiben 1-4. Mit diesen Heften lernen auch Kinder an deutschen Grundschulen.


Deutsch schreiben

Mit der Einschulung werden wir vor eine weitere große Herausforderung gestellt: auf Deutsch schreiben. Viele Jugendliche mit einem deutschsprachigen Elternteil sprechen zwar gut Deutsch, doch ihre Rechtschreibung ist katastrophal. Und dieses Manko ist im Nachhinein nur noch ganz schwer zu korrigieren! Das Lesen und Schreiben sollte parallel in beiden Sprachen erlernt werden. Einige Hausaufgaben sollten die Kinder nicht nur in der Landessprache, sondern auch auf Deutsch machen. Das ist anstrengend, auch für die Eltern, denn das Kind wird keine große Lust auf diese Doppelbelastung verspüren. Es ist besonders hilfreich, in Deutschland Bücher und Lernhefte zur Rechtschreibung zu kaufen. Diese gibt es für jedes Schuljahr in vielen Buchhandlung. Wir sollten jetzt auch das Lesen auf Deutsch fördern und möglichst interessante und dem Alter entsprechende Bücher auf Deutsch besorgen.

Während unseres Jahres in Deutschland hat unser Sohn im vierten Schuljahr mit dem sogenannten „Blasenheft“ die Rechtschreibung gelernt. Die Schüler haben das Selbstlernheft in Eigenregie zu Hause gemacht. Sie konnten damit arbeiten, wann sie wollten, und sollten nur am Ende des Schuljahres alles gemacht haben. Es gibt vom ersten bis zum vierten Schuljahr jeweils ein Heft. Wir können euch diese Selbstlernhefte Rechtschreiben 1 bis 4 vom Jandorf Verlag nur empfehlen. Damit lernen die Kinder wirklich, wie man richtig schreibt.

Hier lest ihr ein paar wichtige Tipps, wie Kinder die Rechtschreibung lernen können.

Deutsch unter Geschwistern

bilinguale Erziehung - Familie - Kinder
Familie | Illustration von Delia Tello

Kommt ein kleines Brüderchen oder Schwesterchen auf die Welt, beginnt ein neuer Spracherwerbsprozess. Doch es gibt einen Unterschied zum erstgeborenen Kind: Das neue Familienmitglied hat mit dem älteren Bruder oder der älteren Schwester einen Gesprächspartner mehr zur Verfügung. Oft ist der Einfluss des älteren Kindes auf den Erwerbsprozess der zweiten Sprache des Kleinen sogar größer als der der Eltern. Es zu schaffen, dass beide Geschwister untereinander Deutsch sprechen, ist jedoch sehr schwer. Wenn man Deutsch als Haussprache etabliert hat – was nur geht, wenn beide Elternteile die deutsche Sprache beherrschen – kann es gelingen. Eine weitere Schwierigkeit ergibt sich, wenn das ältere Kind mittlerweile auch in der Landessprache fernsieht. Das ist kaum zu verhindern und wird dazu führen, dass auch das jüngere Geschwisterchen schon sehr früh Videos nicht ausschließlich auf Deutsch sehen wird. Es wird also nicht einfacher, wenn die Familie Zuwachs bekommt. Das liegt auch daran, dass man jetzt zwar noch mehr Zeit mit seinen Kindern verbringt, die Momente, in denen man seine Aufmerksamkeit aber ausschließlich einem Kind widmet, aber sehr selten sind. Spätestens jetzt wird man auch feststellen, wie unterschiedlich jedes Kind eine Sprache erwirbt.

Bilinguale Erziehung – eine schwere, aber lohnenswerte Aufgabe

Lasst euch nicht entmutigen, wenn das kleine Kind doch in der Landessprache spricht, euch anfangs nur selten auf Deutsch antwortet oder beide Sprachen mischt. Macht weiter, immer weiter! Denn nur wenn ihr konsequent weitermacht, wird der Moment kommen, in dem euer Kind die Sprachen trennen und mit euch nur auf Deutsch sprechen wird.

Wir hoffen, dass wir euch mit unseren Erfahrungen als Eltern und Sprachlehrer bei der zweisprachigen Erziehung eurer Kinder helfen konnten und hoffen, von euren Erfahrungen zu hören. Es gibt sicherlich noch mehr Tipps, die man anderen Eltern mit auf den Weg geben kann, damit ihre Kinder neben der jeweiligen Landessprache auch sehr gut Deutsch lernen. Wir freuen uns auf eure Kommentare.

Hier findet ihr für eure Kinder viele interessante Filme und Programme auf Deutsch:
Deutsch für Kinder – die besten Webseiten

32 Kommentare

  1. Mailin Dautel sagt

    Wir wollen unsere Kinder zweisprachig erziehen. Das ist gar nicht so einfach da man eine hohe Konsequenz mit bringen muss. Mit meiner Familie ziehen wir nach England und ich möchte das meine Kinder das Deutsch nicht verlernen. Wir haben uns gedacht, dass wir die Medien unserer Kinde auf Deutsch lassen, wie das Fernsehen oder Zeitschriften die sie lesen usw. Englisch werden sie sonst ehe überall mitbekommen, ob in der Schule oder im Alltag.

  2. Gut zu wissen, dass es eine einmalige Chance für das Kind ist zweisprachig aufzuwachsen. Ich spreche auch mehrere Sprachen und will das an mein Kind weitergeben. Zum Glück haben wir einen Kindergarten mit Sprachförderung in Englisch um die Ecke.

  3. Anna sagt

    Hallo – ein toller Artikel!
    Mein Mann und ich sind beide Deutsch und ich bilingual (mit Englisch) aufgewachsen, sodass ich meiner Tochter Englisch beibringen möchte. Seit der Geburt spreche ich also Englisch mit ihr und mein Mann mit ihr Deutsch. Zuhause sprechen mein Mann und ich Deutsch.
    Meine Frage: Irgendwann wird sie ja verstehen, dass es zwei unterschiedliche Sprachen sind und diese gelernt haben. Könnte ich dann auf Deutsch zurück wechseln, wenn sie älter ist?

    • deutschlernerblog sagt

      Hallo Anna,

      es ist toll, dass eure Tochter zweisprachig aufwächst. Das ist immer eine besondere Chance für die Kinder, aber für die Eltern eine große Herausforderung und Anstrengung.

      Wenn ihr in einem deutschsprachigen Land lebt, ist es auch wichtig, dass du, wie du schreibst, mit ihr immer Englisch sprichst. So wird sie die Sprache gut lernen.
      Ob und wann du vielleicht wieder auf Deutsch wechseln kannst, ist eine gute und interessante Frage.
      Es hängt natürlich davon ab, wie gut deine Tochter dann Englisch beherrschen wird bzw. beherrschen soll. Ich glaube aber, dass der Spracherwerbsprozess, auch in der Muttersprache, ziemlich lange dauert (Auch mit 10 Jahren lernen Kinder noch viel Neues in ihrer Muttersprache – sowohl Wortschatz als auch Grammatik). Wenn du also möchtest, dass deine Tochter sehr gut (bis perfekt) Englisch spricht, denke ich, dass es auf jeden Fall sinnvoll ist, auch später noch englisch mit ihr zu sprechen.
      Denn auch das Vokabular und das, was deine Tochter sagen will, ändert sich ja mit zunehmendem Alter. Dann werden Wörter, Ausdrücke und Redewendungen wichtig, die sie vorher noch nicht gelernt hat.

      Wenn es also bei euch gut läuft und die Kommunikation auf Englisch zwischen dir und deiner Tochter für beide natürlich und normal ist, würde ich das auch später nicht ändern.
      Sollte die Kommunikation auf Englisch nicht ganz so natürlich und normal sein, kann es aber auch schnell sehr anstrengend werden, konsequent weiter in der Sprache zu sprechen. Dann müsste man irgendwann überlegen, was man tun kann. In dem Fall wäre bestimmt ein mehrmonatiger Aufenthalt (mit Kindergartenbesuch) in England perfekt.

      Wie ich im Artikel geschrieben habe, ist es natürlich bei jedem Kind anders. Das merke ich selbst ja auch. Mit meinem Sohn war die Kommunikation auf Deutsch von Anfang an einfach, natürlich, normal und überhaupt nicht anstrengend. Aber bei meiner Tochter war es das Gegenteil. Erst jetzt, wo wir für ein Jahr von Spanien nach Deutschland gegangen sind, ist auch die Kommunikation auf Deutsch mit meiner Tochter nach ein paar Monaten normal und natürlich geworden.

      Ich wünsche euch viel Erfolg und Ausdauer bei dem Projekt „Zweisprachigkeit“.

      Liebe Grüße
      Andi

      • Anna sagt

        Hallo,

        vielen Dank für deine ausführliche Antwort. Es macht Sinn, dass der Wortschatz sich stets verändert und sie mit zunehmendem Alter andere Wörter benutzen wird. Nochmals ein toller Artikel und sehr hilfreicher Blog! 🙂

        Liebe Grüße
        Anna

  4. Viktoria Marhoffer-Füstös sagt

    Hallo – Danke für den Artikel!

    Ich selber bin zweisprachig in Ungarn aufgewachsen ( Mama deutsch – Papa ungarisch )Ich hatte noch das Glück , das meine Grosseltern lebten in Deutschland, und habe sehr viel Zeit bei ihnen verbracht.
    Mein Mann ist ungarisch, wir leben in Ungarn, und Unsere Zwillinge sind 4 Jahre alt. Ich rede mit ihnen immer deutsch, aber mit allen anderen läuft die Kommunikation ungarisch. Meine Eltern leben nicht mehr, und auch keine weitere Verwandten leider. Und nun hier die Frage: ich bin langsam am Ende meiner Weisheit, denn die Janka spricht genauso gut deutsch wie ungarisch. Und sie spricht beide Sprachen auserordkentlich gut. Aber Marci, er spricht ungarisch, und deutsch nur wenn ich ihn erinnere, und dann tut er sich auch schwer.. Und ich kann mich nicht entscheiden, ob er wirklich nicht kann, oder nur nicht will, oder faul ist. Ich verbringe mit beiden genau so viel Zeit, wir spielen sehr viel, ich lese Ihnen sehr viel vor, und hier zuhause gibt es auch nur deutsch sprachige Märchen im Fernsehen. Wir hören deutsche Kinderlieder im Auto, singen laut zusammen usw. Kann es wirklich sein das es bei ihm später „einklinkt“? Oder sollte ich mich mit ihm noch zusätzlich beschäftigen? Nur mit ihm allein? Oder soll ich einfach Geduld haben? ( was mir ganz ehrlich gesagt manchmal sehr schwer fällt, denn ich bin wirklich konsequent, ich rede immer deutsch mit Ihnen, auch wenn das Umfeld es nicht versteht. Sei es auf Familienfeiern, oder vor und nach dem Kindergarten, bei Freuden… Und ich kann es mir sehr schwer vorstellen, das er nicht deutsch kann… Ich bin für jeden Ratschlag offen! Vielen Dank!

    • deutschlernerblog sagt

      Hallo Viktoria,

      das was du schreibst, zeigt, wie vielschichtig das Thema „Zweisprachige Erziehung“ ist. Es macht ganz deutlich, dass es nicht den EINEN Weg gibt. Gerade an deinem Beispiel mit Janka und Marci sieht man, dass jedes Kind anders ist und die Sprache(n) anders lernt. Ich denke nicht, dass es eine Erklärung dafür gibt, warum Janka schnell und gut beide Sprachen lernt, Marci aber nicht, denn sie sind Zwillinge und exakt in demselben Lern- bzw. Sprachumfeld. Manche „Experten“ schreiben, dass Mädchen schneller Sprachen lernen als Jungen, aber das finde ich nicht. Bei meinen Kindern war es zum Beispiel genau umgekehrt. In eurem Fall könnte es so sein, aber ich glaube nicht, dass es damit zu tun hat, ob es sich um einen Jungen oder ein Mädchen handelt. Es ist einfach so, wie es ist. Oft kommt es vor, dass zweisprachige Kinder etwas später mit dem Sprechen beginnen, dann aber irgendwann der Knoten platzt und die Fortschritte dann auf einmal viel schneller gehen. Vielleicht ist es bei Marci so. Merkst du denn auch einen Unterschied, wenn sie ungarisch sprechen? Das wäre ein Hinweis darauf, dass es bei Marci einfach ein bisschen länger dauert.
      Ich verstehe sehr gut, dass es für dich manchmal sehr frustrierend ist und dir Zweifel kommen. Dann würde man am liebsten alles hinschmeißen und aufgeben, denn es ist natürlich sehr anstrengend für dich, weiter konsequent deutsch zu sprechen, obwohl du das Gefühl hast, dass es mit ihm irgendwie nicht funktioniert. So ging es mir mit meiner Tochter auch. Sie hat lange Zeit nur wenig Deutsch mit mir gesprochen und so ab 4 Jahren ist das Spanisch sogar noch mehr geworden und Deutsch immer weniger. Da würde man dann am liebsten einfach aufgeben und sagen „Ok, dann eben nicht.“ ABER ES LOHNT SICH, TROTZDEM WEITERZUMACHEN. Irgendwann macht es dann „Klick“ und es geht auch auf Deutsch. Wenn die beiden jetzt vier Jahre alt sind, haben beide, natürlich vor allem Marci, noch Zeit die Sprache besser zu lernen.
      Und sollte es am Ende doch so sein, dass Marci nicht ganz so gut Deutsch spricht, wie Janka, so wird es sich trotzdem gelohnt haben, denn wenn er älter ist, wird er dann vielleicht einen Deutschkurs machen können und am Ende auch sehr gut sprechen. Er wird auf jeden Fall immer einen großen Vorteil denen gegenüber haben, die Deutsch nur als Fremdsprache lernen.
      Ich weiß auch, dass meine Tochter ganz bestimmt nie so gut deutsch sprechen wird wie mein Sohn. Aber am Ende des Lernweges wird sie gut sprechen, zwar nicht zu 100% zweisprachig, aber sehr gut und natürlich.

      Ich kann dir leider nicht den einen Ratschlag geben, der die Lösung bringt. Du machst alles richtig. Ich wünsche dir viel Ausdauer und Energie, denn ein Kind zweisprachig zu erziehen ist kein Kinderspiel und ist eine große Leistung der Eltern. Mach so weiter wie bisher und hoffentlich schreibst du uns dann irgendwann, wie es weitergegangen ist und dass jetzt beide sehr gut sprechen. Die beiden sind vier Jahre alt und es bleibt also noch Zeit. Es ist nicht so ungewöhnlich, dass es Marci noch schwerfällt.

      Noch ein Tipp: Vielleicht nutzt du die folgenden Angebote schon. Ich denke, dass es für Kinder, die zweisprachig aufwachsen die besten kurzen Filme und Lieder sind:

      https://www.kikaninchen.de/index.html
      https://www.wdrmaus.de/elefantenseite/
      https://www.wdrmaus.de/

      Es gibt alle drei Angebote auch als kostenlose Apps (ohne Werbung) fürs Handy/Tablet. Besonders Kikaninchen und die Elefantenseite sind für vierjährige Kinder toll. Aber auch auf der Mausseite gibt es schon tolle Filme und Lieder für diese Altersklasse.

      Ich wünsche euch viel Erfolg bei der Herausforderung. Marci wird es bestimmt auch schaffen!

      Liebe Grüße
      Andi

  5. Danke für den lesenswerten Artikel! Wir sind mit unseren 5 Kindern vor 3,5 Jahren nach Deutschland zurück gezogen (sind jetzt 4 bis 8 Jahre alt). Seither verlernen sie zunehmend die Muttersprache meines Mannes. Wir Eltern sprechen untereinander seine Sprache (ich spreche fast fehlerlos und akzentfrei), er ist leider mit den Kindern nicht immer ganz konsequent in seiner Sprache, ich habe bisher Deutsch mit den Kindern gesprochen. Gestern habe ich den Kindern gesagt, dass ich jetzt auch nur noch die Sprache meines Mannes spreche (ich bin bei sowas sehr konsequent). Jetzt frage ich mich, ist das richtig? Es ist nicht meine Muttersprache, aber ich sehe nicht, wie die Kinder die Sprache sonst lernen sollen…

    • deutschlernerblog sagt

      Es ist unglaublich schwer, immer konsequent zu bleiben. Und ein Wechsel des Wohnortes in ein anders Land, schafft eine ganz neue Ausgangslage.
      In eurem Fall ist jetzt Deutsch die Sprache, die die Kinder fast immer hören werden, im Kindergarten bzw. der Schule, im Fernsehen, mit Freunden, auf dem Spielplatz… Und die andere Sprache tritt dann auf einmal zurück. Und es ist schade, wenn die Kinder dann die Muttersprache des Vaters langsam verlernen.
      Was kann man da tun? Ich finde, es ist auf jeden Fall einen Versuch wert, die Muttersprache des Vaters als eine Art „Haussprache“ einzuführen. Vielleicht gelingt es ja und alle sprechen in den eigenen vier Wänden nur noch diese Sprache. Das wäre ideal, aber einfach ist es nicht und Gewohnheiten spielen eine große Rolle. Wenn die Kinder daran gewöhnt sind, untereinander Deutsch zu sprechen, wird es nicht einfach, dies zu ändern. Aber vielleicht gelingt es ja, zu Hause die andere Sprache immer mehr zu sprechen. Dabei finde ich es auch in Ordnung, wenn du als Nicht-Muttersprachlerin auch mit den Kindern in der Sprache des Vaters sprichst. Vielleicht wird der Vater dann auch wieder konsequenter 😉
      Es ist auf jeden Fall einen Versuch wert.

      Liebe Grüße
      Andi

  6. Sara sagt

    Hallo, vielen Dank für den tollen Artikel.
    Ich bin Tochter einer Einwandererfamilie und habe Deutsch als Muttersprache. Die Sprache meiner Eltern beherrsche ich schätzungsweise auf einem Niveau von C1, manchmal abhängig vom Themenbereich, wie gut ich mich verständigen kann. Nun bin ich selbst Mutter geworden und würde gerne die Sprache weitergeben. Wir leben in Deutschland und mein Mann spricht Deutsch. Bis jetzt bin ich sehr konsequent und spreche ausschließlich Kroatisch mit meinem Sohn (8 Monate), jedoch merke ich schon jetzt, dass mir manchmal Worte fehlen, die ich dann selbst nachschlage. Je älter er wird, merke ich auch, wird es anspruchsvoller mit ihm zu reden und ich habe jetzt schon Zweifel, dass ich das Niveau halten kann bzw. ihm genügend Wörter mitgebe kann. Daher frage ich mich, ob ich meinem Sohn damit eher schade und lieber Deutsch sprechen sollte?!

    • deutschlernerblog sagt

      Liebe Sara,

      ich bin sicher, dass du alles richtig machst. Euer Sohn ist erst 8 Monate alt. Und Kroatisch kann er nur mit dir lernen. Deutsch wird er sowieso perfekt beherrschen, da er in Deutschland aufwächst und der Vater Deutsch spricht. Ich glaube, du kannst ihm gar nicht schaden, wenn du mit ihm Kroatisch sprichst. Natürlich fehlen dir dabei manchmal ein paar Wörter, die du nachschlagen musst, aber das ist doch kein Problem. Und wenn euer Sohn (viele Jahre) älter sein wird, und es dir dann vielleicht schwerer fällt, über bestimmte Themen auf gutem Niveau auf Kroatisch mit ihm zu sprechen, könnt ihr ja immer noch sehen, was ihr dann macht.
      Wie gesagt, acht Monate ist sehr früh, und natürlich kann es vielleicht etwas dauern, bis er gut spricht. Vielleicht wird er auch auf Deutsch etwas länger brauchen (Das weiß man nie, denn es ist bei jedem Kind anders). Aber am Ende wird er gut sprechen und auf Deutsch wird es keinen Unterschied zu seinen Altersgenossen geben.
      Ihr habt doch bestimmt auch noch Familie in Kroatien, das ist doch auch eine große Motivation.

      Ich kann dich nur animieren, weiterzumachen. Es wird sich auf jeden Fall lohnen! Und Risiko gibt es meiner Meinung nach wirklich keins, da er ja Deutsch auf jeden Fall perfekt beherrschen wird.

      Liebe Grüße
      Andi

  7. Conny sagt

    Hallo und vielen Dank für den tollen Artikel.
    Mein Mann ist Ire, ich deutsch. Jetzt erwarten wir unser erstes Kind. Da mein Mann bisher nur Englisch spricht und seine Familie in Irland ist, möchte ich, dass unsere Tochter mit beiden Sprachen aufwächst. Allerdings lebe ich in Deutschland, mein Mann aus beruflichen Gründen für weitere 3 Jahre in Irland und kommt nur alle 3 bis 4 Wochen für ein paar Tage nach Hause. Ich telefoniere natürlich täglich auf englisch mit ihm, habe aber Bedenken, wenn nur er mit unserem Kind englisch spricht, das es nicht reicht. Kann ich Englisch und Deutsch mit ihr reden oder würde sie das verwirren?
    Vielen Dank!

    • deutschlernerblog sagt

      Hallo Conny,

      erstmal einen herzlichen Glückwunsch! Sprachlich ist die Herausforderung natürlich sehr groß. Grundsätzlich sollte das Kind ja mit jedem Elternteil eine Sprache verbinden, damit es nicht durcheinanderkommt. Ich denke, auch in eurem Fall ist es wichtig, dass du im Alltag konsequent eine Sprache mit eurer Tochter sprichst. Das wäre dann sicher Deutsch. Aber wie kann sie von Anfang an Englisch lernen, wenn der Vater nicht so oft da ist? Das wird wirklich schwierig. Vielleicht kannst du von Anfang an mit ihr auf Englisch singen, dann wäre für die Tochter eine Zuordnung klar: mit Mama zwar deutsch sprechen und immer auf Englisch singen. So hätte sie wenigstens ein bisschen mehr Kontakt zur englischen Sprache.
      Es gibt bestimmt auch viele Videos für Kleinkinder auf Englisch. Vielleicht könnt ihr auch diese kurzen Filme immer auf Englisch sehen. Mit meinem Sohn habe ich von Anfang an (also schon mit wenigen Monaten) kurze Filme (z.B. von der Sendung mit der Maus) auf Deutsch gesehen. Und es hat bestimmt geholfen. Außerdem wollen Kinder dann ja bestimmte Filmchen immer wieder sehen…
      Wenn eure Tochter dann ein bisschen älter ist (vielleicht 10-12 Monate), kannst du vielleicht täglich eine bestimmte Spielsituation an einem festen Ort in der Wohnung schaffen, wo du englisch mit ihr sprichst. Im Alltag sprichst du natürlich weiterhin Deutsch mit ihr. So würde sie Englisch mit dieser Situation und dem Ort verbinden und es würde sie nicht so verwirren.
      Das sind meine Überlegungen. Eure Situation ist nicht so einfach und natürlich ist auch jedes Kind in seinem Lernprozess anders, aber so kann es vielleicht gelingen, dass sie auch Englisch lernt… oder zumindest eine gute Grundlage haben wird, wenn dann das Zusammenleben mit dem Vater wieder ständig ist. Mit dieser Basis kann es dann sicherlich sehr schnell gehen mit dem Englischlernen, wenn der Vater wieder immer da ist. Einen Versuch ist es auf jeden Fall wert.

      Ich hoffe, diese Gedanken bringen euch etwas.
      Viel Erfolg und eine schöne Zeit!
      Andi

  8. Nükhet Hänel sagt

    Servus und vielen Dank für den Artikel,

    ich habe da eine Frage. Ich bin eine deutschtürkin die in Deutschland geboren und aufgewachsen ist. Meine Muttersprache sitzt nicht so sattelfest wie die deutsche Sprache. Mein Mann ist deutscher und kann die türkische Sprache überhaupt nicht. Wir haben einen 3,5 jährigen Sohn. Bevor er in die Krippe kam, sprach er ausschließlich türkisch und konnte nicht so gut Deutsch. Wir waren 7 Wochen in der Türkei, was auch dazu beigetragen hatte. Ich rede zwar mit ihm hauptsächlich türkisch, daheim rede ich mit dem Papa deutsch. Jetzt redet unser Sohn nur noch deutsch, er versteht mich zwar wenn ich mit ihm türkisch spreche, ihm fehlen aber für die richtigen Sätze einfach die wörter. Ich übersetze ihm immer alles, lese ihm vor wir hören uns türkische Lieder an. Trotzdem kann ich ihn dazu nicht begeistern. Kann sich das nochmal wenden oder muss ich mich damit anwenden, dass er mich zwar versteht aber mit mir nicht türkisch spricht. Es macht mich schon traurig, wenn ich türkische Kinder in seinem Alter in seiner Kita sehe die fließend beide Sprachen sprechen. Was kann ich tun?

    • deutschlernerblog sagt

      Hallo,

      es kommt oft vor, dass ein Kind in diesem Alter fast nur noch die Sprache des Landes, in dem es lebt und die es überall hört, spricht bzw. sprechen will. Das ist ja auch irgendwie verständlich. Bei euch ist es ja auch schwerer, weil der Vater nicht türkisch spricht. Euer Sohn versteht aber Türkisch und wird, auch wenn er sich gegen das Sprechen auf Türkisch sträubt, immer mehr Wörter, Sätze und Strukturen der türkischen Sprache aufnehmen. Deshalb würde ich auch weiterhin versuchen, türkisch mit ihm zu sprechen. In einigen Grundschulen wird mittlerweile auch Türkischunterricht statt Religionsunterricht angeboten. Ich weiß nicht, ob das in eurer Region der Fall ist, aber das wäre auf jeden Fall eine gute Möglichkeit.

      Ich verstehe, dass es ein bisschen frustrierend und traurig ist, wenn du siehst, dass andere Kinder in dem Alter beide Sprachen fließend sprechen. Aber jedes Kind ist anders und vor allem ist ja auch die Ausgangslage nicht immer dieselbe. Bestimmt sprechen bei vielen dieser Kinder beide Elternteile türkisch. Auch bei uns ist es so, dass unser Sohn wirklich beide Sprachen (Deutsch und Spanisch) perfekt spricht, unsere Tochter (mittlerweile fast 6) aber nicht. Bei ihr war es auch so, dass sie so ab 4 Jahren auf einmal immer mehr Spanisch gesprochen hat, auch mit mir. Daher verstehe ich deine Sorge sehr gut. Und ich muss auch akzeptieren, dass sie (obwohl wir für ein Jahr nach Deutschland gegangen sind) wohl nie perfekt Deutsch sprechen wird, so wie es ihr Bruder tut.

      Auch wenn euer Sohn am Ende nicht perfekt türkisch sprechen sollte, denke ich, dass es sich auf jeden Fall lohnt, denn er lernt ja schon eine Menge und wird auch türkisch sprechen können, wenn er es braucht.

      Liebe Grüße
      Andi

  9. Joachim Hussing sagt

    Vielen Dank für die Weitergabe dieser Tipps zum Erlernen der Zweisprachigkeit von Kindern. Ich möchte, dass mein Sohn zweisprachig ist. Ich werde nach einer Kindertagesstätte suchen, in der mein Kind lernen kann, wie man zweisprachig ist, damit es später im Leben eine größere Erfolgschance hat.

  10. Angela Bernal sagt

    Hallo,

    danke für den Artikel. Mein Mann und ich kommen beide aus Südamerika und haben Deutsch erst im Erwachsenalter gelernt. Nun haben wir ein Kind, mit dem wir immer auf Spanisch sprechen und gesprochen haben. Mein Kind ist 20 Monate alt und kam vor kurzem in die Tagespflege. Heute aber schien ihm nicht so gut zu gehen und wir haben Angst, dass es daran liegen kann, dass wir hauptsächlich mit ihm nur auf Spanisch sprechen. Ich habe immer versucht, wenn wir mit Freunden sind/waren mit ihm auf beide Sprachen zu kommunizieren, aber ich weiß es nicht ob es mir gelungen ist… Naja, auf jeden Fall habe ich jetzt Angst, dass er jetzt eine „Sprachblockade“ entwickelt, da er schon begann, erste Worte auf Spanisch zu sagen.

    Was könnten wir dabei tun? Wir spielen ihm immer die Sendung mit dem Elefanten aber wissen nicht mehr, was wir noch machen können? Er bevorzugt auch Kinderlieder im Spanischen.

    Danke!

    Angela

    • deutschlernerblog sagt

      Hallo Angela,

      ich verstehe, dass ihr euch Gedanken macht, aber euer Sohn ist erst 20 Monate alt. In diesem Alter sprechen auch viele einsprachige Kinder gerade mal ein paar Wörter und ich glaube nicht, dass er eine Sprachblockade entwickelt. Wenn euer Sohn bisher fast nur Spanisch gehört hat, ist ihm diese Sprache natürlich vertrauter als Deutsch. Es ist auch ganz gut, dass er im Spanischen einen gewissen „Vorsprung“ hat. Wenn er jetzt regelmäßig in einer Kita/Tagespflege ist, wird er aber auch sehr schnell Deutsch lernen. Später wird ja bestimmt sein ganzes Umfeld außerhalb des Hauses deutsch sein. Da wird er die Sprache gut und richtig lernen. Im Grunde habt ihr ja auch Zeit, denn eigentlich sollte das Kind dann spätestens bei der Einschulung, also mit sechs Jahren, so gut deutsch sprechen wie seine Mitschüler. Vorher gibt es in eurer Situation bestimmt Phasen, in denen er besser Spanisch spricht. Aber wie gesagt, drei Jahre Kindergarten und deutschsprachige Freunde werden dafür sorgen, dass er die Sprache sehr gut beherrschen wird.
      Wenn ihr aber unsicher seid, könntet ihr auch entscheiden, dass ein Elternteil ganz konsequent immer Deutsch mit ihm spricht, und der andere Elternteil immer Spanisch (Das müsste dann aber wirklich konsequent eingehalten werden). Untereinander, also als Familiensprache, ist sicher Spanisch sinnvoll, denn ansonsten würde er ja nicht so viel Spanisch lernen.

      Ich hoffe, ich konnte euch ein bisschen weiterhelfen. Wie ich schon im Artikel geschrieben habe, ist jedes Kind anders. Manche sprechen sogar erst mit drei Jahren. Das ist alles ganz normal.
      Liebe Grüße
      Andi

  11. Pierre Durand sagt

    Vielen Dank für den Beitrag zur zweisprachigen Erziehung. Meine Schwester erzieht ihre Kinder zweisprachig und möchte nun eine zweisprachige Tagesbetreuung finden. Gut zu wissen, dass der Lernprozess beim Spracherwerb von Kind zu Kind unterschiedlich ist.

  12. Tina sagt

    Ein sehr guter Artikel, der meine eigenen Erfahrungen bestätigt. Mein Mann ist Holländer mit „Friesisch“ als Muttersprache, ich selbst bin deutsch, beide Kinder sind aber in Schweden aufgewachsen. Zuhause sprechen mein Mann und ich auf Niederländisch miteinander, mit den Kindern spricht er jedoch Friesisch, ich selbst spreche ausschließlich Deutsch mit den Kindern und in der Schule und unter Freunden sprechen die Kinder Schwedisch. Was für ein Chaos, könnte man meinen, oder? Unglaublicherweise funktioniert das Ganze völlig problemlos! Sie sprechen alle vier Sprachen! Niederländisch wird gelegentlich ein wenig mit Friesisch vermischt, da es beides „Papas Sprachen“ sind, aber ansonsten ist das kein Problem für die Kinder. Das Geheimnis dahinter ist ganz klar nur eines: Wir haben uns als Eltern konsequent geweigert mit den Kindern eine andere Sprache als „unsere“ zu sprechen. Wir sprechen und verstehen natürlich auch Schwedisch bzw. die Sprachen unseres Partners, aber haben sturköpfig (und manchmal zum Ärgernis der Kinder) immer darauf bestanden, dass wir „unsere“ Sprache sprechen. Das war nicht immer einfach und ich gebe zu, wenn Freunde der Kinder dabei sind, die auch verstehen sollen worum es geht, spreche ich gelegentlich auch ein paar Sätze Schwedisch mit allen Kindern zusammen, aber wirklich nur ganz selten. Warum? Weil ich als Lehrerin für Muttersprache hier in Schweden sehe, wie unheimlich schwer es für die Eltern ist, wenn die Kinder sich weigern in der Muttersprache zu antworten. Und das passiert leider oft recht schnell, sobald man „nachgibt“. In sehr vielen Familien verstehen die Kinder zwar die Muttersprache (passiv), finden es aber zu anstrengend oder trauen sich nicht in der Muttersprache (aktiv) zu antworten. Und die Motivation, die nötig ist, um die Kinder dann wieder umzustimmen, kann dann tatsächlich meist nur ein längerer Aufenthalt im Land der erwünschten Sprache zurück bringen.
    Übrigens: Schwedisch haben die Kinder hundertprozentig außerhalb des Hauses gelernt! Also wirklich ausschließlich im Kindergarten und der Schule! Wir haben nie schwedische Bücher vorgelesen, aber dafür täglich deutsche/frisische/niederländische.
    Also erst mit der Eingewöhnung im Kindergarten haben sie die ersten schwedischen Wörter gelernt, so mit anderthalb Jahren. Unsere ältere Tochter erst mit zweieinhalb, da wir zu dem Zeitpunkt erst nach Schweden gezogen sind. Sie fand es schwierig, dass die Erzieher sie die ersten Wochen nicht verstanden haben, aber innerhalb von wenigen Monaten war sie schon fast so weit wie die anderen schwedischen Kinder in dem Alter. Also keine Panik deswegen, das kommt von allein, wenn die zweite/dritte Sprache ausreichend im Umfeld gesprochen wird.
    Und wie froh bin ich, dass ich heute mit meiner beinahe erwachsenen Tochter in meiner Muttersprache über alles sprechen kann und sie sich in Deutschland ganz genau so und völlig akzentfrei verständigen kann, als wäre sie dort aufgewachsen.
    Ich wünsche euch allen viel Erfolg und haltet durch!! Es lohnt sich!

    • deutschlernerblog sagt

      Liebe Tina,
      danke für deinen ausführlichen und unglaublich hilfreichen Beitrag. Es ist toll, zu sehen, dass es auch mit vier Sprachen funktioniert, wenn man konsequent bleibt und nicht nachgibt, auch wenn das manchmal gar nicht so einfach ist.
      Eine wichtige Erfahrung von euch, die ganz sicher auch anderen weiterhelfen bzw. sie beruhigen wird, ist, dass man sich keine Sorgen machen muss, wenn die Landessprache zu Hause nicht gesprochen wird. Diese lernen die Kinder ganz schnell, sobald sie den Haushalt für Kindergarten, Schule usw. verlassen. In einem solchen Fall sollte man natürlich (wie ihr) darauf achten, dass die Kinder viele Aktivitäten und Kontakte außerhalb der eigenen vier Wände haben, also ins Umfeld und in den Alltag integriert sind.
      Und es lohnt sich wirklich! Unser Sohn hat das vierte Grundschuljahr in Deutschland gemacht und es ist gar nicht aufgefallen, dass er vorher nie in Deutschland gelebt hat und auch keine deutsche Schule im Ausland besucht hat.
      Viele Grüße
      Andi

  13. Klaus Schmidt sagt

    Seit nunmehr 30 Jahren leben meine deutsche Frau und ich in Frankreich in der Nähe von Toulon in Südfrankreich. Dort habe ich als deutscher Physiker bei einer französischen Firma für ein deutsch-französisches Projekt gearbeitet. Dort kam 1994 unser Sohn Jean-Marc zur Welt. Den französischen Vornamen haben wir ihm mit voller Absicht gegeben. Wir wohnen in einem kleinen Haus nahe dem Meer. Zu Hause sprechen wir nur deutsch, von aller Anfang an auch mit unserem Sohn, als er noch ein Baby war. Als er zwei Jahre alt war, schickten wir ihn in eine sog. „halte-garderie“, eine Art Kindergarten für Kleinkinder. Wir erklärten der Leiterin dieses Kindergartens – sie hieß Giselle – unser Anliegen, nämlich daß wir Deutsche sind, aber unbedingt möchten, daß unser Jean-Marc die französische Sprache erlernt. Giselle war ganz begeistert von dieser Aufgabe und sagte uns zu, sich persönlich darum zu kümmern, daß Jean-Marc ordentlich französisch sprechen lernt. Der Erfolg nach einem Jahr war einfach großartig! Jean-Marc integrierte sich als Dreijähriger in seine französische Umgebung, spielte mit den Kindern, sprach auf seinem Altersniveau französisch wie ein französisches Kind! Einfach phantastisch! Als er fünf Jahre alt war, schickten wir ihn in die französische Grundschule – hervorragende Leistungen, kaum zu glauben. Zu Hause sprachen wir jedoch weiter deutsch, ich versuchte natürlich auch Jean-Marc die Grundlagen deutscher Kultur in deutscher Sprache beizubringen. Schulisch ging es für Jean-Marc dann wie folgt weiter. Mit zehn Jahren kam er durch seine sehr guten Leistungen auf das sog. „Collège“, einer Art Vorstufe für das französische Gymnasium, was hier in Frankreich mit „Lycée“ bezeichnet wird. Auf das Lycée kam er dann mit 14 Jahren. Und das war nun eine Super-Besonderheit: an diesem französischen Gymnasium gab es eine Klasse, auf der der Unterricht zur Hälfte in französischer Sprache und die andere Hälfte in deutscher Sprache abgehalten wurde! Mit dem Ziel ein deutsch-französisches Abitur zu absolvieren, ein sog. „AbiBac“. Abi für Abitur und Bac für Baccalauréat, Für den deutschen Prüfungsteil kam extra ein Schulrat aus dem Hamburger Kultusministerium angereist, der dann auch das deutsche Abiturzeugnis unterzeichnete, was also den direkten Zugang zu den deutschen Universitäten eröffnete. Jean-Marc bestand sein Abi mit Bravour. Er erzählte manchmal von den kleinen Fehlern die sein französischer Deutschlehrer im Unterricht machte – zur stillen Belustigung der rein deutschen Schüler der Klasse. Dies sollte nur ein kleiner Beitrag zum Thema der zweisprachigen Erziehung sein. Mit besten Grüßen nach Deutschland, Klaus Schmidt

  14. AnnA sagt

    Ich kann leider Gottes nicht richtig dazu beitragen. Ich sage bloß: Bitte, tut das, lasst bitte eure Kinder mehrsprachig aufwachsen! Wenn der Partner bzw. die Partnerin eine andere Sprache hat oder ihr in einem anderen Land (selbst wenn nur für kurze Zeit!) wohnt, unbedingt bitte. Mein allergrößter Wunsch (abgesehen von Sachen wie „Frieden auf der Welt“) wäre eben gewesen, mindestens (!) zweisprachig aufzuwachsen, ich hatte und habe immer noch dieses tiefe Verlangen danach. Vielleicht im nächsten Leben, hoffentlich…

  15. A.Sabine sagt

    Guten Morgen! Danke für diesen lange gesuchten informativen Artikel! Ich lebe in Italien, Mann Italiener (versteht Deutsch, spricht aber nicht besonders gut). Unser Sohn haben wir im Alter von 2 1/2 Jahren aus einem asiatischen Land adoptiert; er konnte da schon ein wenig die dortige Sprache. Inzwischen hat er sie allerdings komplett verlernt. Ich habe auf Anraten der hiesigen Kinderpsychologin in den ersten Monaten auch Italienisch mit ihm gesprochen, dann bin ich mehr und mehr dazu übergegangen, Deutsch mit ihm zu sprechen. Allerdings tue ich dies vor allem zu Hause, nicht wenn wir mit anderne Italienern zusammen sind. Wir waren mehrfach bei der Familie in Deutschland, im Sommer immer mehrere Wochen. Durch die Covid-Epidemie leider seit vergangeme Sommer nicht mehr. Inzwischen ist unser Sohn 7 Jahre alt, versteht Deutsch sehr gut, schaut fast ausschließlich Deutsche Filme, spielt deutsche Spiele, bekommt seit jeher Deutsch vorgelesen. Selbst Deutsch zu sprechen, hat er im vergangenen Sommer in Deutschland erst wirklich begonnen. Inzwischen hat er allerdings wieder viel verlernt, antwortet fast nur auf Drängen auf Deutsch und dann mit vielen vielen Grammatikfehlern.

    Er geht in eine europäische Grundschule, wo er allerdings nur einmal in der Woche 2 Stunden Deutsch hat (neben anderen Sprachen). Im Deutsschunterricht ist er einerseit der „King“, weil er alles versteht, was ihn sehr stolz macht, andererseits unterfordert bzw. gelangweilt durch die vielen Wiederholungen.
    Was kann ich tun, um sein Sprechen zu fördern? Und wann sollte ich anfangen Deutsches Schreiben und Lesen mit ihm zu üben? Wenn das Italienische besser sitzt (noch kämpft er mit den Silben) oder parallel dazu? Ich will ihn nicht überfordern, nichts überstürzen, sodass er am Ende ganz die Lust am Deutschen verliert. Aber ich fürchte auch, dass wichtige Lernfenster sich demnächst schließen? Danke für Rat und ggf. konkrete Tipps.

    • deutschlernerblog sagt

      Hallo Sabine,

      euer Fall zeigt wieder ganz deutlich, dass jede Situation und jedes Kind anders und einzigartig ist.
      Dass du am Anfang nicht deutsch mit ihm gesprochen hast, macht es für beide ganz bestimmt schwerer, jetzt komplett auf Deutsch umzuschalten, also auch, wenn ihr außerhalb des Hauses mit Italienern zusammen seid.

      Vielleicht schaffst du es ja, ab jetzt mit ihm immer deutsch zu sprechen, auch wenn er in der ersten Zeit sicherlich auf Italienisch antworten wird. Mit der Zeit wird er dann (mit etwas Glück) auch auf Deutsch wechseln. Ein Urlaub nächsten Sommer in Deutschland mit viel Kontakt zu Deutschen (wenn es denn dann wieder möglich ist) wäre vielleicht dieser Zeitpunkt, an dem er dann beginnt, auch dir auf Deutsch zu antworten. Zurück in Italien wäre dann die Herausforderung, dies beizubehalten.
      Ich denke, es wäre einen Versuch wert, bin aber sicher, dass es auch für dich eine Herausforderung sein wird, immer konsequent bei Deutsch zu bleiben, denn das ist nicht so einfach.

      Zu deiner zweiten Frage:
      Ich würde jetzt auch mit dem Lesen und Schreiben auf Deutsch anfangen. Vielleicht langsam, vielleicht mit kleinen Belohnungen… Es ist nicht so einfach. Mit meinem Sohn habe ich mit Lesen und Schreiben angefangen, als es in der Schule auch auf Spanisch losging. Also wirklich gleichzeitig und es hat sehr gut geklappt. Aber wie immer, jedes Kind ist anders. Bei meiner Tochter ist der zweisprachige Spracherwerbsprozess nicht so einfach, deshalb fange ich mit ihr erst jetzt, mit 6 Jahren langsam und ohne Druck an. Die Schwierigkeit ist, beim Kind Lust darauf zu wecken, damit es nicht nur eine lästige Pflicht ist.

      Zum Schreibenlernen gibt es ganz tolle Arbeitshefte, die auch an einigen Grundschulen in Deutschland verwendet werden. Es gibt vom ersten bis vierten Schuljahr jeweils ein Heft. Mit meinem Sohn habe ich sie alle gemacht. Hier ist ein Link zum Heft für das erste Schuljahr: Rechtschreiben 1 (Jandorf Verlag).

      Ich hoffe, ich konnte dir ein bisschen weiterhelfen.
      Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gern melden.
      Und natürlich freuen wir uns, wenn du uns dann irgendwann erzählst, wie es bei euch weitergegangen ist. Eure Erfahrungen in den Kommentaren hier sind genauso wichtig wie der Artikel selbst und werden von vielen gelesen.

      Liebe Grüße
      Andi

  16. Karen Waskewitz sagt

    Hallo, ich fand den Artikel an sich interessant, unsere Kinder wachsen auch zweisprachig auf. Die meisten gegebenen Tipps entsprechen auch meiner Erfahrung und ich gehe die Sache genauso an. Ich finde es aber problematisch vom Kind zu erwarten mit mir nur Deutsch zu sprechen. Fuer mich war es immer wichtig, dass sich meine Kinder angenommen fuehlen egal in welcher Sprache sie sprechen und dass unsere Kommunikation authentisch ist. Wenn mein Sohn mir aus dem Kindergarten etwas auf Hebraeisch erzaehlt und ich ihn verstehe, dann werde ich ihm auch antworten, aber eben auf Deutsch. Und nicht verlangen, dass er mir auf Deutsch etwas erzaehlt, weil ich es erwarte. Ich finde Kommunikation sollte natuerlich erfolgen und mir war es immer wichtig, dass meine Kinder freiwillig Deutsch sprechen, weil sie es moechten und nicht weil ich es von ihnen will.
    Liebe Gruesse,
    Karen

    • deutschlernerblog sagt

      Hallo Karen,
      natürlich hast du recht, wenn das Kind partout nicht auf Deutsch antworten will (oder kann) oder Dinge aus dem Lebensumfeld der anderen Sprache in dieser anderen Sprache schildert, dann bleibt einem nichts anders übrig, als dies vorerst zu akzeptieren. Die Kommunikation mit dem Kind steht natürlich immer an erster Stelle. Aber besonders ganz am Anfang des Spracherwerbsprozesses, wenn es nur um einzelne Wörter oder erste kurze Sätze geht, sollte man versuchen, dass das Kind nur auf Deutsch antwortet, damit dies zur Gewohnheit wird, es für das Kind eine natürliche Kommunikationssprache wird und es sich erst gar nicht fragt, ob es auf Deutsch sprechen will oder muss. Wenn dann vom Kind doch mal etwas in der anderen Sprache erzählt wird, ist es, so meine Erfahrung, aber kein Problem, kurz zu sagen „auf Deutsch bitte“… und dann schaltet das Kind um.
      Aber am Ende läuft es immer auf dasselbe hinaus: Jedes Kind erwirbt seine Sprache anders und man muss sich dann darauf einstellen. Spricht das Kind mit einem immer/oft/manchmal in der anderen Sprache, obwohl man anfangs immer auf Deutsch bestanden hat, dann ist das halt so und man muss andere Wege gehen. So war es bei uns ja auch. Bei unserem Sohn gab es nie das Problem, dass er mir auf Spanisch geantwortet hat. Bei unserer Tochter war es anders, sie hat immer mehr auf Spanisch geantwortet und erst ein längerer Aufenthalt in Deutschland hat dies geändert. Wenn sie jetzt mal auf Spanisch mit mir spricht und ich sie bitte, auf Deutsch umzuschalten, ist das aber kein Problem für sie, obwohl sie immer noch besser Spanisch als Deutsch spricht.
      Liebe Grüße
      Andi

  17. Patricia sagt

    Hallo,
    unser Kind wächst dreisprachig auf (Deutsch-Französisch/Kreol).
    Wir trennen die Sprachen beim Sprechen deutlich, allerdings singt mein Mann eher weniger Kinderlieder und da wollte ich wissen, ob man das mit allen anderen Medien auch so streng teilen sollte (Singen, Vorlesen, gemeinsam Filme schauen/Hörbücher hören)?

    Vielen Dank im Voraus und liebe Grüße,
    Patricia

    • deutschlernerblog sagt

      Hallo Patricia,

      dreisprachig ist natürlich noch mal eine ganz andere Herausforderung. Aber wenn ihr beim Sprechen deutlich trennt, wer mit dem Kind in welcher Sprache spricht, wird das bestimmt gelingen.

      Wie alt ist euer Kind denn? Gelingt es ihm auch, die Sprachen zu trennen? In welchem Land lebt ihr? Wer von euch beiden verbringt mehr Zeit mit dem Kind, spricht also mehr mit ihm?
      Davon hängt auch ein bisschen ab, ob ihr in anderen Bereichen Ausnahmen machen könnt.

      Beim gemeinsamen Hören von Hörbüchern oder Schauen von Filmen, muss man sich ohnehin bei jedem einzelnen Hörbuch oder Film für eine der drei Sprachen entscheiden. Das kann also von Film zu Film bzw. Hörbuch zu Hörbuch wechseln. Am besten hört und seht ihr natürlich das meiste in der Sprache, die in eurem Land nicht gesprochen wird, damit diese Sprache besonders gefördert wird.

      Beim Vorlesen ist es meiner Meinung nach schon wichtig, dass jeder Elternteil dem Kind in seiner Sprache vorliest. Denn sonst besteht u.A. die Gefahr, dass das Kind dann in der Vorlesesprache nachfragt oder man in dieser Sprache über das Vorgelesene spricht. Vorlesen ist ja oft auch eine sehr vertraute und innige Situation zwischen dem Kind und dem vorlesenden Elternteil. Beim Vorlesen kommt noch hinzu, dass auch viele neue Wörter verwendet werden, die in der Alltagskommunikation nicht so häufig vorkommen. Daher ist das Vorlesen ein wichtiger Bestandteil des Spracherwerbsprozesses. Außerdem wird so vielleicht das Kind dazu animiert, später auch in dieser Sprache Bücher zu lesen.

      Eigentlich gilt bei Kinderliedern das Gleiche. Kinderlieder kommen meist auch schon viel früher ins Spiel als Vorlesen und haben damit auch eine wichtige Funktion beim Erlernen einer Sprache. Daher ist es natürlich wichtig, das Alter des Kindes zu wissen. Bevor man beginnt, Geschichten vorzulesen, singt man dem Kind schon etwas vor. Dabei geht es vom reinen Vorsingen zum Mitsingen einiger Wörter durch das Kind bis hin zu dem Moment, in dem man ein ganzes Lied gemeinsam singt bzw. das Kind ein Lied auch allein singen kann.
      Wenn dein Mann nicht so gern singt, stellt sich natürlich die Frage, ob du Lieder in der Sprache deines Mannes mit dem Kind singst. Das hängt von den Faktoren ab, die ich oben genannt habe (Alter, Sprache am Wohnort, sprachliche Entwicklung des Kindes usw.). Wohnt ihr im Land deines Mannes, wird das Kind im Kindergarten Kinderlieder in der Sprache deines Mannes hören und singen. Ist das Kind schon älter und trennt die Sprachen sehr gut, erkennt es vielleicht das Singen eines Liedes mit dir in der Sprache deines Mannes als Ausnahme und es wäre kein großes Problem. Es hängt von vielen Faktoren ab.
      Singt ihr in der Sprache, die im Land nicht gesprochen wird, die das Kind also nur von einem Elternteil erlernt, so ist das Singen in dieser Sprache meines Erachtens nicht so problematisch, weil das Kind einfach mehr Input in dieser Sprache benötigt.
      Lebt ihr aber im Land deines Mannes, so würde ich mit dem Kind wirklich nur in deiner Sprache singen, denn diese Sprache zu erlernen, wird für das Kind eine größere Herausforderung sein.

      Ich hoffe, ich konnte dir ein bisschen weiterhelfen. Wie immer hängt alles auch von jedem einzelnen Kind und von der besonderen Situation ab, in der sich jeder befindet.

      Und natürlich freuen ich mich, wenn du uns auch weiterhin auf dem Laufenden hältst über das, was ihr tut und über die sprachliche Entwicklung des Kindes.
      Denn wir alle können von den Erfahrungen aller lernen.

      Liebe Grüße
      Andi

  18. Johanna sagt

    Liebe Schreiber/in des Artikels!

    Wunderbare Beispiele und Erklärungen die ihr hier aufzählt. Ich lese immer wieder mal in diesem Artikel nach, wenn ich wieder mal im Sprachenwirrwarr verloren bin.
    Kurze Beschreibung: Ich bin Deutsche und wohne zusammen mit meinem finnischen Mann in Finnland. Wir Eltern verständigen uns seit unserem Kennenlernen in englisch (wollen aber bald zu meiner Verbesserung auf finnisch wechseln).
    Unsere Tochter ist 2 Jahre alt und seid sie geboren ist spricht jeder seine jeweilige Muttersprache mit ihr. Am Essentisch also ich mit ihr deutsch, mein Mann finnisch und wir unter uns englisch (bzw. bald finnisch).
    Jetzt war ich gestern das erste Mal in dieser Situation: wir haben ein anderes finnisches Mädchen zu Besuch. Beim gemeinsamen Spiel (wie Suchbilderbücher) war es extrem schwer für mich zu wissen, welche Sprache ich wählen soll. Also ein Kind sitzt rechts neben mir (finnisch), das andere links (deutsch/finnisch, meine Tochter) und ich will sie beide fragen: wo ist der Marienkäfer? Muss ich dann meine Tochter weiterhin in deutsch, quasi zusätzlich fragen oder darf ich in der Situation nur finnisch wählen?

    Sie haben eine ähnliche Situation auf einem Spielplatz beschrieben, wo die andere Mutter auch Gesagtes verstehen soll. Oder wenn wir bei finnischen Verwandten/Freunde sind. Das sind aber meistens kurze Situationen und die setze ich auch in beiden Sprachen um.

    Aber was ist, wenn wir finnische Kinder stundenweise zu Besuch haben? Wie beschrieben, gemeinsames Spielen oder auch Anweisungen gegen werden sollen?
    Da brauche ich dringend einen Weg, da wir hoffentlich immer viele Freunde zu Besuch haben werden (nach Corona).

    Noch kurz für Interessierte: unsere Tochter versteht tatsächlich alle 3 Sprachen (auch wenn wir nicht direkt mit ihr englisch reden). Ihr gesprochener Wortschatz liegt bei ca. 50 deutschen Wörtern und 5 finnischen. Das wird sich aber mit Einstieg in den finnischen Kindergarten ganz drastisch und schnell ändern. Dann bin ich wirklich allein unter 100 finnischen Kontakten (und eben unsere paar deutschen Freunde hier).
    In der Schule kann man hier allerdings eine zweite Muttersprache als Wahlfach ab der 1. Klasse wählen. Puh! Zumindest etwas 🙂

    Vielen Dank fürs Lesen und ich bin gespannt auf die Tipps!
    LG aus Helsinki!

    • Johanna sagt

      Achso ja noch kurzer Anhang: wir trennen deutsch und finnisch sehr strikt. Was Bücher vorlesen, Sendungen, Spiele etc betrifft. Ich lese keine finnischen Bücher. Das Einzige, wo mein Mann ins Deutsche fällt, ist das tägliche Sandmännchen abends.
      Und englisch ist für unsere Tochter nur Nebenläufer.
      Übrigens ist Finnland ein zweisprachiges Land. Da kommt in der Grundschule dann auch noch gleich Schwedisch dazu🙆🏻‍♀️
      Ich bin wirklich sehr gespannt, was da mal aus unsere kleine Maus rauskommt😄

      • deutschlernerblog sagt

        Liebe Johanna,
        das klingt doch alles sehr gut und konsequent. Ihre Tochter wird die Sprachen bestimmt alle gut lernen.
        Die Situation, die Sie beschreiben, kenne ich. Es muss nicht problematisch sein, die Frage nur auf Finnisch zu stellen. Allerdings sollten Sie dann Ihre Tochter genau beobachten und, wenn sie dann mit Ihnen weiter auf Finnisch spricht, doch besser die Frage in beiden Sprachen stellen, allgemein auf Finnisch und dann für Ihre Tochter noch einmal auf Deutsch. So sind Sie auf jeden Fall auf der sicheren Seite.

        Viele Grüße
        Andi

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