Alle Artikel mit dem Schlagwort: Deutschlerner schreiben: literarische Texte

Kraft der Freundschaft – Erzählung von Maria Kulik aus Lublin, Polen

Kraft der Freundschaft Am Rand des dichten Laubwaldes, etwa sieben Kilometer vom nächsten Dorf entfernt, auf den beiden Seiten des schon längst von der Welt vergessenen Feldwegs standen zwei Ziegelhäuser. In einem wohnte ein kleiner Junge mit seinem Vater, das zweite Haus dagegen wurde von einem kleinen Mädchen, seinem Vater und seiner Großmutter bewohnt. Da sie die einzigen Kinder im ganzen Umkreis waren, wollten Jens und Katja miteinander spielen. Aber, wie es häufig passiert, erlaubte der Vater des Jungen, Klaus, seinem Sohn nicht, sich mit dem Mädchen zu treffen, weil ihn der Vater von Katja einmal  zutiefst verletzt hatte. Nur die Oma des Mädchens stand den Kindern zur Seite. Wenn Klaus zur Arbeit fuhr, trafen sich die Sechsjährigen Tag für Tag im Haus von Katja. Den ganzen Tag konnten sie sich sorgenfrei amüsieren, denn die Oma behielt sie im Auge. Bald liefen sie, bald schlenderten sie. Mal zeichneten sie, mal malten sie. Nie waren sie ohne Ideen, die Zeit spaßhaft zu verbringen. Sie hielten zusammen wie Pech und Schwefel. Und täglich verabschiedeten sie sich voneinander …

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Seine Augen – Erzählung von Edyta aus Lublin, Polen

Seine Augen Es war schon Morgen, als er ihr Haus verließ. Sie dachte ständig an seine Hände und an die letzte Nacht. Sie trafen sich immer in der Nacht. Das war der Moment ihres Geheimnisses, wenn niemand sie sehen konnte. In dieser Zeit konnten sie also ehrlich und aufrichtig sein, denn sie waren allein. Anna erinnerte sich an jede Einzelheit, an ihr Gespräch, an seine Augen. Er hatte außergewöhnliche Augen. Man sagt, dass man das Innere des Menschen in den Augen sehen könne, und sie wusste, dass dies richtig war. Sehr schnell näherte sie sich dem Fenster, sie musste ihn noch einmal  sehen. Und so stand sie also allein am Fenster, so lange, bis er in der Ferne verschwand. Dann folgte für sie die Zeit der Einsamkeit. Die Treffen mit ihm machten ihr immer viel Spaß. Es waren die Augenblicke der Freude, aber wenn sie zur schweren Realität zurückkehrte, musste sie die süßen Nächte vergessen, denn die Wirklichkeit war kein Märchen und er war kein Prinz im Körper eines Frosches, aber der Mensch, der für …

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Das Wünsche erfüllende Elixier – Märchen für Deutschlerner ab C1

Märchen für Deutschlerner: Das Wünsche erfüllende Elixier Herzlichen Dank an Charlotta, die uns inspirierte „Wilhelm, wahrscheinlich vermutest du, warum ich dich rufen ließ“, sagte ein molliger, kahlköpfiger Mönch. „Ich ahne es“, antwortete der junge Mann. „Du bist der tapferste Ritter, der bis jetzt im Mittelalter lebte. Ich habe eine Mission für dich. Prinzessin Brunhilde stach sich mit der Spindel in ihren Finger und deswegen fiel sie ins Koma. Sie schläft seit zwei Monaten ununterbrochen und niemand weiß, wie sie zu wecken ist. Würdest du das Rätsel lösen?“ „Ja“, stimmte der Jüngling mit Nachdruck zu. „Du musst dir bewusst sein, dass dich eine schwere Expedition erwartet. Am Anfang musst du die alte Morla, die sehr klug ist, finden. Die Frau wohnt in dem Land, wo ständig Winter herrscht. Es gibt noch etwas, das du wissen musst: Die alte Morla ist ganz taub“, warnte der Mönch. „Trotzdem übernehme ich es, diese Aufgabe zu lösen“ antwortete Wilhelm. „Ich glaube fest, dass du mit der Aufgabe zurechtkommst.“ Mit diesen Worten brachte der Mönch das Gespräch zu Ende. Nach dem …

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