Alle Artikel mit dem Schlagwort: Deutschlerner schreiben: literarische Texte

Märchen zum Deutschlernen: Zaal und Simurgh

Märchen zum Deutschlernen: Zaal und Simurgh Es war einmal ein Kämpfer, der hatte ein Kind. Das Kind hieß Zaal und hatte weiße Haare. Der Kämpfer dachte, dass ein Kind mit weißen Haaren sehr schlecht sei. Daher  küsste er seinen Sohn und brachte ihn ins Ghaf-Gebirge. Dort lebte ein großer Vogel. Sein Name war Simurgh. Simurgh liebte Zaal sehr und brachte ihm jeden Tag etwas zu essen. Viele Jahre später wollte Zaal in seine Heimat zurückkehren. Simurgh sorgte sich und sagte: „Nimm diese Feder, sie ist magisch. Wenn du sie verbrennst, werde ich blitzschnell zu dir kommen.“ Zaal ging in seine Heimatstadt und verliebte sich in ein hübsches Mädchen. Ihr Name war Rudabe. Sie heirateten und bald erwarteten sie ein Kind. Als der Moment der Geburt gekommen war, konnte Rudabe ihr Baby nicht zur Welt bringen, weil es sehr groß war. Zaal verbrannte die Feder und sofort erschien Simurgh und half Rudabe. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute. Davoud Maleklou kommt aus Teheran im Iran. Dort lernt er am Goethe Institut …

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Lesetexte C1: Auf einem magischen Gipfel – von Vika Mirianashvili

Lesetexte C1: Auf einem magischen Gipfel Irgendwo hoch oben auf dem Gipfel steht ein kleines, merkwürdiges, aber gemütliches Haus, von dessen Existenz niemand auf der Welt weiß. Das Haus befindet sich in einem luftleeren Raum, ist magisch und obendrein für viele Leute unsichtbar. Ein Blick von dort oben und man bekommt so ein Gefühl, als ob die ganze Welt dieser einen bestimmten Person gehöre. Aber diesen besonderen Blick zu genießen war bis heute nur wenigen Leuten vergönnt. Eine von diesen Personen bin ich. Da oben in der Nähe von den Wolken ist es kalt, und das hängt nicht von den Jahreszeiten ab, denn hier ist es immer kalt. Es weht ein verdammt strenger Wind, der Wind der Einsamkeit und Traurigkeit, der dir unter die Haut und bis in die Knochen fährt, der in dir das fließende Blut erst stoppt und dann gefrieren lässt. Wenn der Wind merkt, dass er sich zu streng benimmt, drosselt er ein bisschen seine Geschwindigkeit und erst danach erkennt man das Ganze. Du bist ganz, ganz oben und frei wie ein …

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Ich weiß – ein Gedicht von Hassen Dif aus Algerien

 „Ich schreibe über den Schmerz, wegen des Schmerzes und mit schmerzhafter Sprache.“ Das sagt der Dichter Hassen Dif aus Algerien über seine Texte. Und wenn ihr seinen ersten Text hier im Blog gelesen habt, so wisst ihr, wie sehr das stimmt. Auch dieses Gedicht von Hassen Dif ist voller Melancholie und Schmerz. Ich weiß Ich weiß, Dass ich da sitzen muss Wo die toten Zweige des Herbstes Ein melancholisches Stück singen, Wo mich die Einsamkeit erwartet, Wo keine Blume wächst, Und wo die Sonne nicht aufgeht. Ich weiß, Dass ich für immer leiden werde, Wenn ich glücklich zu sein versuche, Wenn ich an Farben glaube, Oder wenn ich auf mein Herz höre. Ich weiß, Dass ich nicht der Mensch bin, Der zum Lächeln geboren wurde. Und deswegen werde ich nie mehr träumen.   Der Dichter Hassen Dif wurde am 20. Mai 1991 in Algerien geboren und studiert an der Universität Algier 2 Germanistik. Sein erstes Gedicht schrieb er mit 15 Jahren und erhielt dafür 2006 einen Preis für Dichtkunst seiner Heimatstadt. Seit etwa einem Jahr …

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Der Hellseher – eine Erzählung von Helga aus Oviedo, Spanien

Der Hellseher Als ich 10 Jahre alt war, verbrachte ich meinen Urlaub mit meinen Geschwistern, meiner Tante und meinen Cousins auf dem Bauernhof meines Großvaters. Meine Eltern waren nicht da, weil sie auf einer langen Reise in Argentinien waren. Ich war ein sehr naives und feinfühliges Kind, das sich ohne seine Eltern immer unsicher und bedrückt fühlte. Aus diesem Grunde war ich damals, obwohl ich an einem wunderbaren Ort war – es gab ein großes Schwimmbad und viele Bäume, auf die ich gern kletterte – eher traurig, denn ich vermisste meine lieben Eltern. Eines Tages kam Edmilson, der Hausmeister, der immer mit uns Kindern spielte, und fragte mich: „Helga, möchtest du wissen, in welchem Alter du sterben wirst?“ Die anderen Kinder waren davon begeistert, meine Zukunft zu erfahren. Aber ich, ich war entsetzt und antwortete: „Nein!“ Doch Edmilson, durch die Schreie der Kinder ermutigt, ging in sein Haus und brachte ein leeres Blatt Papier, das er uns zeigte. Dann nahm er ein Kohlestück und strich mit der Kreide aus Kohle über das Blatt. Angsterfüllt und …

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Unglücklich verliebt – von Vika Mirianashvili aus Telawi, Georgien

Unglücklich verliebt Wenn ich gewusst hätte, was du aus mir machen würdest, hätte ich dich lieber niemals kennengelernt, denn du hast mich total zerstört, du hast mich innerlich kaputtgemacht und danach umgebracht. Jeder verdammte Tag ist voller Schmerz, jeden Tag fließen heiße Tränen aus meinen Augen, die Tränen, die beweisen, dass ich dich immer noch vermisse und liebe. Verdammt! Wie kann man dich nach alldem weiterhin lieben?! Aber du bist trotz allem ganz tief in meinem Herzen, es fühlt sich so an, als ob du in mir lebtest, und ich dich, egal wohin ich gehe, in mir tragen würde. Als ob mein Herz dein Zuhause wäre und dich niemand zwingen könnte, daraus zu verschwinden. Aber du gehörst nicht zu mir, also geh weg, verschwinde aus meinem Leben, geh endlich! Nimm den Schmerz, die Erinnerungen und alle meine Gefühle mit, die ich nur für dich empfand und immer wieder empfinde, und komm nie wieder zurück! Quäl mich doch nicht mehr weiter, ich kann das alles nicht mehr ertragen, hätte mir nie vorgestellt, dass ich wegen dir …

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Im Dunkeln – von Vika Mirianashvili aus Telawi, Georgien

Im Dunkeln Ich bin im Dunkeln. Meine Seele stirbt. Mein Herz ebenso. Ich sterbe. Mit den Gedanken bin ich irgendwo anders, irgendwo, wo es besser ist. Ich bin da, wo ich vielleicht niemals sein werde, aber ich bin trotzdem da. Es ist wunderbar, so schön wie nichts auf der ganzen Welt, aber es ist tödlich, das Gefühl, das ich dafür empfinde, bringt mich um. Ich mache die Augen zu und was sehe ich?! Zuerst ist es komplett dunkel, alles ist unsichtbar, aber nach einer Weile sehe ich es schon. Eine wunderbare Stadt: Berlin. Ich bin hier in Deutschland auf dieser Erde, ich gehöre dazu, ich bin hier nicht fremd. Ich schaue mich um und wundere mich, ich kann es kaum glauben, ich bin bei meinen Leuten, bei denen, die ich total liebe. Meine Sterne, sie scheinen jede Sekunde in meinem Herzen, weil sie so nett und freundlich sind. Sie sind alles, was durch meine Adern fließt. Die Deutschen… Ich würde genau beschreiben, wie ich diese Leute liebe, wenn Worte meine Sprache wären. Ich bin so …

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Der letzte Brief – von Hassen Dif aus Algier, Algerien

Der letzte Brief Ich werde für immer aus deinem Leben verschwinden. Du warst niemals für mich. Du warst immer kalt und fern; während ich nah und heiß war. Ich werde für immer verschwinden und niemand wird mich wiederfinden. Ich werde nie mehr einen Schatten neben mir haben. Ich werde ein schattenloser Mensch sein. Bevor du mir dieses Wort sagtest, hatte ich das Ende in deinen Augen erblickt. Am Ende habe ich gelernt, dass ich nicht der Mensch bin, den du willst, den du liebst oder sogar, den du siehst. Such dir einen glücklichen Menschen! Versuch, das Glück fern von mir wiederzufinden! Und jetzt bin ich der Mensch, der an Farben nicht glaubt, der die Kälte fühlt und nie wieder lieben kann. Aber vergiss nicht, dass ich in einer anderen Zeit die Luft, die du atmest und der Duft, den du riechst, war! Der Dichter Hassen Dif wurde am 20. Mai 1991 in Algerien geboren und studiert an der Universität Algier 2 Germanistik. Sein erstes Gedicht schrieb er mit 15 Jahren und erhielt dafür 2006 einen …

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Das ratlose Kind – eine Erzählung von Mahmoud Radman aus Taiz, Jemen

Das ratlose Kind – eine Erzählung Es ist nicht so lange her, nur einen Monat, als Fatima, die, so wie ich, zwölf Jahre alt war, verboten wurde, mit mir zu spielen. Aber ich kenne den Grund noch nicht. Denn ich habe sie doch nicht geschlagen, sie war doch meine einzige Freundin! Ihrem Vater, mit vollem Bart, helfe ich stets, um Verzeihung zu erlangen, falls ich mich schuldig gemacht habe, und damit er sie wieder aus dem Haus lässt. Aber es ist vergebens. Fatima ist verrückt nach Spielen, so sehr, dass es sie oft ärgerte, wenn ich nicht sofort kam, um mit ihr zu spielen. Manchmal rief sie mich an, um sich zum Spielen zu verabreden, für ein Treffen vor ihrem Fenster, das nun immer geschlossen und mit einem Vorhang abgedeckt ist. Ich erinnere mich sehr gut an den letzten Tag, an dem ich mit ihr spielte. Ihre Mutter erschien vor der Tür, von Kopf bis Fuß mit Kleidung bedeckt – sie sah aus wie ein Zelt. Sie rief ihre Tochter mit wütender Stimme, immer auf …

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