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Meine Freundin Cristina – Geschichte einer Freundschaft

meine Freundin - internationaler Frauentag - Weltfrauentag - eine wichtige Frau in meinem Leben

Meine Freundin Cristina

Der Mensch braucht den Menschen. Wir existieren in der Gesellschaft, wirken ständig mit unserer Umgebung zusammen, teilen die Emotionen, die Eindrücke, die Informationen, die Erfahrungen mit den anderen. Ohne die Unterstützung, die Wärme der nahen Menschen ist es sehr schwierig, Probleme zu überwinden. Es gibt die Menschen, die immer in unserem Leben waren. Wir begegnen ihnen und mögen sie so, wie sie sind. Die Freunde aber wählen wir selbst. Die wichtigen Augenblicke im Leben, die Umstände und die Zufälligkeiten bringen uns zusammen. Aber nur wir selbst entscheiden, welche Stelle in unserem Leben dieser oder jener Mensch einnehmen wird. Und es ist wunderbar, wenn du dem einen Menschen, der dir wie eine Schwester wird, begegnest.

Unsere erste Begegnung – Zeit in Deutschland

Ich will von einer solchen Begegnung erzählen. Ich habe eine Freundin. Sie heißt Cristina und wohnt in Spanien. Ich heiße Dascha und ich wohne in Russland. Und wir haben uns in Deutschland kennengelernt. Wir studieren Deutsch und sind für ein Semester nach Freiburg gegangen. Ich mache bei einer Bekanntschaft selten den ersten Schritt. Wenn der Mensch nichts hat, was mich interessiert, werde ich kaum auf ihn zugehen. Cristina hat den ersten Schritt getan. Sie wollte mehr auf Deutsch sprechen, deshalb war sie immer froh, mit mir zusammen zu sein. Alles begann, als wir uns in der ersten Kursversammlung nebeneinander setzten. Dank dieser Zufälligkeit nahm unsere Freundschaft ihren Anfang.

Cristina ist ein wunderbarer Mensch. Sie ist sehr gutmütig, offen und positiv. Sie erwärmt alle mit ihrem Optimismus, wie die helle, heiße spanische Sonne. Nach dem Treffen mit ihr habe ich angefangen, breiter zu lächeln. Es ist die Wahrheit! Wir haben sogar verglichen, wie sich mein Lächeln auf den Fotos im Laufe der Zeit geändert hat. Sie hat mich gelehrt, mich des Lebens zu freuen. Das heißt nicht, dass ich mich früher nicht freute, doch ich fand in Cristina diese kindliche Naivität, den Glauben an die Menschen, an das Glück. Ich bin in ihre Atmosphäre eingetaucht und habe mich daran entzündet.

Das Foto! Es ist ein besonderer Moment in unserer Beziehung. Wisst ihr, nicht jeden Menschen wirst du bitten, ein Foto von dir zu machen. Nein, es ist natürlich möglich jeden darum zu bitten, aber nur die wenigsten Menschen werden bereit sein, dich alle 10 Minuten, in einer anderen Pose zu fotografieren. Meine besten Fotos von dieser Reise gibt es dank meiner Freundin.

Sie hat mir ihre Tür geöffnet, als wir in Deutschland waren, und auch sie konnte ohne Ankündigung zu mir kommen, sie konnte in die Küche kommen, um ein Glas oder was auch immer sie brauchte, zu nehmen. Wir stellten keine Bedingungen. Aber macht euch kein falsches Bild von ihr! Sie verhielt sich dabei immer sehr taktvoll und zeigte Verständnis für die anderen Menschen.

Besuch in Barcelona

Nach einer Woche unserer Bekanntschaft hat Christina mich zu sich nach Barcelona eingeladen. Ich habe das als einen Scherz abgetan. Der Vorschlag war verlockend, aber ich war nicht sicher, inwieweit sie es ernst meinte. Und, wisst ihr was? Ich habe über einen Monat in Barcelona verbracht.

meine Freundin - am Strand

Ich habe mich in diese Stadt, in ihre Bewohner, in die Architektur Gaudis, in das offene, spanische Temperament, in die so musikalische und schöne Sprache verliebt. Cristina hat eine Liste der Orte angelegt, die ich besuchen sollte. Fast jeden Tag fuhren wir in verschiedene Winkel Barcelonas. Ich habe zum ersten Mal in meinem Leben Palmen und Apfelsinenbäume gesehen und im Mittelmeer gebadet, ich habe spanischen Schinken probiert, habe im Januar ein Top getragen und bin an der Meeresküste entlang gelaufen.
Den bleibendsten Eindruck aber hat Cristinas Familie bei mir hinterlassen. Sie hat vier Brüder. Jeder hat eine Freundin. Außerdem wohnt der Onkel bei ihnen. Und wenn sie alle zusammen sind, ist es wunderbar, sie zu beobachten. Sie scherzen, lächeln, kommunizieren. Ihnen gefällt es, die Zeit miteinander zu verbringen. Und sie haben mich so warmherzig aufgenommen. Ich habe nie irgendwelche Einschränkungen gefühlt. Für mich wurde am Tisch auf Englisch gesprochen, ich wurde über Russland, über meine Eltern gefragt. Sie interessierten sich für viele Dinge, kümmerten sich um mich wie um eine Tochter. Cristinas Eltern haben mir ein Modell des Familienglückes vorgeführt. Natürlich gibt es in jeder Familie auch Probleme, aber wie sie mit den Schwierigkeiten umgehen und welche Einstellung zum Leben sie haben, diese Werte habe ich für mich bewahrt.

In vielen Dingen sind Cristina und ich verschieden, aber wir haben einander akzeptiert, wie wir sind. Wir haben uns jetzt schon zehn Monate nicht mehr gesehen, aber wir sind ständig in Kontakt. Im Sommer werde ich nach Barcelona fliegen, zu ihrer Hochzeit! Die Flugtickets sind schon gekauft, und ich freue mich auf diesen Moment, wenn ich die Aura der spanischen Wärme und der Freundlichkeit wieder empfinden kann.

Wahre Freundschaft bedeutet nicht Unzertrennlichkeit, sondern getrennt sein zu können, ohne dass sich etwas ändert. Danke, dass du in mein Leben getreten bist.

Daria Zykova aus Belgorod, Russland

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