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Können wir wirklich das Wetter vorhersagen? – Von Amir Sohi aus Teheran

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Können wir wirklich das Wetter vorhersagen?

Ein Text von Amir Sohi aus Teheran, Iran

Das Wetter beeinflusst die gesamte Oberfläche der Erde, gestaltet Landschaften, belastet die Landwirtschaft und beeinflusst unsere Stimmung. Aber wie funktioniert das Wetter? Wie wird es vorhergesagt? Warum ist das Wetter nicht immer so, wie es erwartet wurde?

Es reicht aus, einmal in die Kälte hinauszugehen, um zu erkennen, ob es sonnig ist oder nicht. Das Wetter ist jedoch ein äußerst komplexes Phänomen, eine gigantische Maschine in ständiger Bewegung. Es ergibt sich aus der Kombination von vielen Faktoren, die ständig miteinander in Wechselwirkung treten: Sonnenschein und Bewölkung, Luftfeuchtigkeit, Temperatur, Luftdruck, Windgeschwindigkeit und -richtung, Niederschlagsart usw. Um alle diese Parameter zu messen, verfügen Meteorologen über eine ganze Reihe von Instrumenten: das Thermometer für die Temperatur, das Barometer für den Luftdruck, das Hygrometer für den Grad der Feuchtigkeit, das Anemometer für den Wind, das Manometer zur Messung des Drucks im Wasser. Viele Messungen werden am Boden durchgeführt, andere, dank Wetterballons, die Messgeräte tragen, in der Höhe. Geräte befinden auch auf Schiffen oder Bojen im Meer und automatische Messstationen erfassen und analysieren selbst die Daten.

Einige Beobachtungen, einschließlich der Untersuchung von Wolken, können jedoch nur von Meteorologen gemacht werden. Nach ihrer Form, Farbe, Position in Wolkensystemen können alle Wolken unterschiedlich gedeutet werden. Die Wetterstationen auf der ganzen Welt, die Bojen sowie die Geräte an Bord von Schiffen und Flugzeugen funktionieren permanent und bilden ein Netz von Wetterstationen rund um den Planeten.

Das Klima der Erde wird auch von Satelliten aus überwacht. Satelliten fotografieren ständig die Erdoberfläche und liefern Bilder der Wolkenbedeckung und ihrer Bewegungen. Die von Wetterstationen gesammelten Daten werden an Vorhersagezentren übermittelt und auf synoptischen Karten dargestellt. Um die Analyse dieser Karten zu erleichtern, zeichnet man Linien, die die Punkte verbinden, deren Werte gleich sind. So werden beispielsweise Orte mit gleicher Temperatur durch Isothermen und Orte mit gleichem Luftdruck durch Isobaren verbunden. Die Gesamtheit der Linien zeigt die Struktur der Atmosphäre und macht es einfach, Bereiche mit hohem und niedrigem Luftdruck zu lokalisieren.

Die Wettervorhersage für die nächsten Tage entsteht dank leistungsfähiger Computer, die aus den wichtigsten atmosphärischen Parametern die wahrscheinliche Entwicklung berechnen. Durch die Analyse von Klimadaten, die über mehrere Jahrzehnte hinweg aufgezeichnet wurden, können mathematische Gesetze aufgestellt werden, die die Vorhersage der Wetterentwicklung anhand einer solchen Kombination von Parametern unterstützen. Aber das Wetter ist ein chaotisches System (im mathematischen Sinne): Es handelt sich um ein oft unvorhersehbares System. Denn schon die geringste Störung in diesem dynamischen System kann zur Folge haben, dass sich die Ergebnisse vollständig ändern. Dies wird als Schmetterlingseffekt bezeichnet. Ein Weg, die Vorhersagen zu verbessern, besteht darin, die Anzahl und Häufigkeit der Messungen zu erhöhen und Computer sowie Software noch leistungsfähiger zu machen. Die Vorhersage des Wetters, das im Altertum als Zeichen der Götter interpretiert wurde, bleibt wegen der Komplexität des Phänomens eine große wissenschaftliche Herausforderung.

 

Amir Sohi ist 36 Jahre alt und kommt aus Teheran, der Hauptstadt des Iran. Er ist Postdoc-Absolvent der Universität British Columbia in Kanada mit dem Schwerpunkt Holzwissenschaften und arbeitet in Teheran als Dozent. Seine Deutschkenntnisse hat er sich selbst mit Hilfe von Büchern, Webseiten und im direkten Kontakt mit deutschsprachigen Menschen angeeignet.

Es ist nicht der erste Text, den Amir für den Blog geschrieben hat. Hier lest ihr alle Texte von Amir Sohi.

Ein Text aus der Reihe Deutschlerner aus aller Welt schreiben.

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