Alle Artikel mit dem Schlagwort: Deutschlerner schreiben B2

Der letzte Brief – von Hassen Dif aus Algier, Algerien

Der letzte Brief Ich werde für immer aus deinem Leben verschwinden. Du warst niemals für mich. Du warst immer kalt und fern; während ich nah und heiß war. Ich werde für immer verschwinden und niemand wird mich wiederfinden. Ich werde nie mehr einen Schatten neben mir haben. Ich werde ein schattenloser Mensch sein. Bevor du mir dieses Wort sagtest, hatte ich das Ende in deinen Augen erblickt. Am Ende habe ich gelernt, dass ich nicht der Mensch bin, den du willst, den du liebst oder sogar, den du siehst. Such dir einen glücklichen Menschen! Versuch, das Glück fern von mir wiederzufinden! Und jetzt bin ich der Mensch, der an Farben nicht glaubt, der die Kälte fühlt und nie wieder lieben kann. Aber vergiss nicht, dass ich in einer anderen Zeit die Luft, die du atmest und der Duft, den du riechst, war! Der Dichter Hassen Dif wurde am 20. Mai 1991 in Algerien geboren und studiert an der Universität Algier 2 Germanistik. Sein erstes Gedicht schrieb er mit 15 Jahren und erhielt dafür 2006 einen …

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Das ratlose Kind – eine Erzählung von Mahmoud Radman aus Taiz, Jemen

Das ratlose Kind – eine Erzählung Es ist nicht so lange her, nur einen Monat, als Fatima, die, so wie ich, zwölf Jahre alt war, verboten wurde, mit mir zu spielen. Aber ich kenne den Grund noch nicht. Denn ich habe sie doch nicht geschlagen, sie war doch meine einzige Freundin! Ihrem Vater, mit vollem Bart, helfe ich stets, um Verzeihung zu erlangen, falls ich mich schuldig gemacht habe, und damit er sie wieder aus dem Haus lässt. Aber es ist vergebens. Fatima ist verrückt nach Spielen, so sehr, dass es sie oft ärgerte, wenn ich nicht sofort kam, um mit ihr zu spielen. Manchmal rief sie mich an, um sich zum Spielen zu verabreden, für ein Treffen vor ihrem Fenster, das nun immer geschlossen und mit einem Vorhang abgedeckt ist. Ich erinnere mich sehr gut an den letzten Tag, an dem ich mit ihr spielte. Ihre Mutter erschien vor der Tür, von Kopf bis Fuß mit Kleidung bedeckt – sie sah aus wie ein Zelt. Sie rief ihre Tochter mit wütender Stimme, immer auf …

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Meine Lieblingsspeise: Fabada Asturiana – von Helga aus Oviedo, Spanien

Meine Lieblingsspeise: Fabada Asturiana Liebe geht durch den Magen. Meine Liebe zu Spanien – wo ich, eine Brasilianerin, heutzutage wohne – hat viel mit seiner Gastronomie zu tun: Essen gefällt mir sehr gut und hier habe ich viele köstliche Speisen entdeckt. Essen und Trinken ist ein leckeres Abenteuer in Spanien. Man kann in einer einzigen Mahlzeit den Himmel erreichen. Das aromatische Olivenöl, der sublime Jabugo-Schinken, die vielgestaltigen Käsesorten, der starke Rotwein aus La Rioja, der asturianische Apfelwein und Nachtische, wie Milchreis, Sahnepudding, Butterkuchen, Turrón… Hmmm… Alles ist wunderbar! Besonders ist für mich die „Fabada Asturiana“, ein saftiges und himmlisches Gericht, das aus dicken weißen Bohnen und schmackhaften Fleischwürsten (Paprikawurst, Blutwurst und Speck) gekocht ist. Es ist interessant, die Ähnlichkeit zwischen der asturianischen Fabada und einem der typischen Gerichte der brasilianischen Küche zu beobachten. In Brasilien haben wir eine Speise, die mit kleinen schwarzen Bohnen und Schweinefleisch gekocht ist. Sie heißt „Feijoada“, weil Bohne auf Portugiesisch „feijão“ genannt wird. Feijoada isst man mit Reis und Chinakohl. Das schmeckt sehr, sehr lecker! Die „Feijoada Brasileira“ ist eine …

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Meine Deutschprüfung – von Jelly aus Split, Kroatien

Meine Deutschprüfung Anfang Februar habe ich in Split, Kroatien, die B2-Prüfung in Deutsch gemacht. Es war ziemlich schwer und wir haben uns fast das ganze letzte Semester darauf vorbereitet. Die Prüfung war in vier Teile unterteilt, das heißt, wir sollten unsere Kenntnisse im Schreiben, Lesen, Hören und mündlichen Ausdruck getrennt zeigen. Zur Vorbereitung haben wir viele Übungen gemacht und auch die Modellprüfungen genutzt. Beim Schreiben sollten wir einen Aufsatz mit mindestens 180 Wörtern über ein vorgegebenes Thema verfassen und dabei vier sinnvolle Punkte behandeln. Es gab zwei Themen zur Auswahl und ich habe das gewählt, das von „E-Books vs. ausgedruckte Bücher“ gehandelt hat. Es ist leicht, wenn man das zu Hause schreibt und jede Menge Zeit dafür hat, aber in der Schule ist es anders. Man musste den Aufsatz in 60 Minuten schreiben, möglichst sinnvoll und ohne Fehler. In diesem Teil der Prüfung habe ich ungefähr 90 % gemacht. Das Leseverstehen war auch schwer. Wir haben zwei Texte bekommen, die wir lesen mussten, um anschließend verschiedene Fragen zu beantworten. Diese Fragen hatten mehrere mögliche Antworten, …

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Fremde Gedanken – vom Mahmoud aus Taiz, Jemen

Fremde Gedanken Fremde Gedanken in meinem Land… Ich lege mich auf meinen Rücken, um zu schlafen. Es ist 12 Uhr nachts. Ich höre keine Stimmen, nichts außer meinem Atem. Ja, die Leute gehen hier früh zu Bett. Sie haben keinen Fernseher oder Strom, damit sie wach bleiben können. Nur im Radio kann man die Nachrichten der arabischen BBC hören. Ich habe die Schuhe ausgezogen, um die Schmerzen schwerer Arbeit zu lindern. Eine Hand lege ich unter den Kopf, um ihn vor dem Sand zu schützen. Die andere stecke ich in die Tasche, hole ein Stück Brot hervor, führe es zum Mund und kaue es langsam. „Ach!“ Mein Blick geht zum Himmel: Der endlos weite Himmel ist so klar, als hätte ihn eine Katze abgeleckt. Der Mond ist hell wie das Brot, das meine Mutter buk, als ich ein Kind war. Ich sollte es nicht versäumen, diesen wunderbaren Anblick zu genießen. Ich starre so lange in diesen unendlichen Raum, dass mein Mund aufhört, das Brot zu kauen. Mein Atem wird lauter und mein Herzschlag schneller. Dieser …

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Meine Zeit in Southampton – von Ali Karakas aus der Türkei

Meine Zeit in Southampton Ich bin für etwa 3 Wochen in Southampton. Ich kam im Rahmen meiner PhD in Angewandter Linguistik hierher. Normalerweise arbeite ich als wissenschaftlicher Mitarbeiter an einer türkischen Universität. Glücklicherweise werde ich durch meine Universität gefördert. Sonst wäre es fast unmöglich für mich, diesen Aufenthalt in England zu finanzieren, weil das Leben hier zu teuer ist. In diesem Text möchte ich von meinem neuen Leben in Southampton erzählen. Zunächst möchte ich über die Stadt sprechen: Es ist die größte Stadt in der Grafschaft Hampshire an der Südküste von England. Ich mag das Wetter sehr. In der Regel ist es sonnig, aber dieser Tage wird es immer kälter und kälter. Die Stadt ist eine lebendige, moderne Stadt, die den Besuchern aus der ganzen Welt einen herzlichen Empfang bereitet. Es gibt zwei Universitäten in der Stadt. Eine ist die Solent University und die andere ist die University of Southampton. Letztere ist bekannt und unter den 75 Top-Universitäten der Welt. Die meisten Studenten sind internationale Studierende. Die Mehrheit der internationalen Studenten kommt aus China. Ich …

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Das Leben – eine Kurzgeschichte von Mahmoud aus Taiz, Jemen

Das Leben – eine Kurzgeschichte Der elektrische Strom war in der ganzen Stadt abgestellt, alles war ganz dunkel und ruhig, nur Hunde bellten manchmal von verschiedenen Seiten in den Straßen. „Ich darf an nichts denken, denn es bringt mir ja doch nichts, über unmögliche Dinge nachzudenken.“ Ich habe den Vorhang zugezogen und in der Dunkelheit habe ich mich an den Wänden entlang zu meinem Bett vorgetastet. Schnell ziehe ich die Decke über meinen Kopf, damit ich alles vergessen und bald einschlafen kann. „Verdammt!“, es ist vergeblich. „Was soll ich bloß machen, um einzuschlafen? Ah, ich zähle von eintausend bis eins.“ Dann beginne ich mit dem Zählen: „eintausend, neunhundertneunundneunzig, neunhundertachtundneunzig … zweihundert … einhundert … Schade, das nutzt auch nichts!“ Ich zähle weiter: „zehn, neun … eins … Das ist eigentlich Unsinn!“ Aus den Moscheen erklingt das einsetzende Rufen zum Gebet. Und in den Straßen fließt der Verkehr. Die Stadt ist voller Lärm! Alle Menschen in der Stadt sind aus ihrem Schlaf erwacht, außer mir, ich bin endlich eingeschlafen. Mahmoud Radman aus der Stadt Taiz im …

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In meinem Land… – von Jelly aus Split, Kroatien

In meinem Land… In meinem Land regen in diesem Moment zwei Dinge die Leute auf: Am 7. Juni 2011 ist ein junges Mädchen (17 Jahre alt) verschwunden. Sie ist zum letzten Mal beim Trampen gesehen worden. Angeblich ist sie in einen Lastkraftwagen eingestiegen, und seitdem gibt es keine Spur mehr von ihr. Der ganze Staat sucht nach ihr – Polizei, Familie, Schwestern, Bewohner… Vor einigen Jahren ist etwas Ähnliches passiert, aber der Fall endete damals nicht mit einem Happy End. Heute ist der 17. Juni und es gibt nichts Neues. Die Polizei hat manche Verdächtige ausgefragt, aber es gibt leider keine Aufklärung. Am 11. Juni 2011 hat in Split das erste Gay Pride stattgefunden. Auch nicht mit Happy End. Da konnte man viel Gewalt und Hass gegen homosexuelle Leute sehen. Es gab insgesamt 200 Teilnehmer an der Parade und etwa 10.000 Gegner dieser Veranstaltung, die Steine, Tomaten, Feuerzeuge, ausgerissene Blumen und Ähnliches geworfen haben. Ebenso wurden die Teilnehmer von diesen Gegnern angepöbelt. Es war total enttäuschend diese Primitivität zu erleben. Jelly kommt aus der Stadt …

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