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Auf einem magischen Gipfel – von Vika Mirianashvili aus Telawi, Georgien

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Auf einem magischen Gipfel

Irgendwo hoch oben auf dem Gipfel steht ein kleines, merkwürdiges, aber gemütliches Haus, von dessen Existenz niemand auf der Welt weiß. Das Haus befindet sich in einem luftleeren Raum, ist magisch und obendrein für viele Leute unsichtbar. Ein Blick von dort oben und man bekommt so ein Gefühl, als ob die ganze Welt dieser einen bestimmten Person gehöre. Aber diesen besonderen Blick zu genießen war bis heute nur wenigen Leuten vergönnt.

Eine von diesen Personen bin ich. Da oben in der Nähe von den Wolken ist es kalt, und das hängt nicht von den Jahreszeiten ab, denn hier ist es immer kalt. Es weht ein verdammt strenger Wind, der Wind der Einsamkeit und Traurigkeit, der dir unter die Haut und bis in die Knochen fährt, der in dir das fließende Blut erst stoppt und dann gefrieren lässt. Wenn der Wind merkt, dass er sich zu streng benimmt, drosselt er ein bisschen seine Geschwindigkeit und erst danach erkennt man das Ganze.
Du bist ganz, ganz oben und frei wie ein Vogel. Alles riecht nach Freiheit, Ruhe und Geheimnis. Du siehst, wie die Vögel da unten ganz zerstreut hin und her fliegen und zwitschern und zwitschern. Ihre Stimmen dringen bis zu dir, auch bis zu den Gipfeln, und du hörst so gerne zu, was sie sagen, was sie erfreut und was sie kränkt. Danach hörst du, wie irgendwer auch mitsingt. Schade ist, dass die Vögel sich kaum trauen, das Haus auf dem Gipfel zu besuchen, auch wenn sie tausende Mal darüber geredet haben. Doch unter den Vögeln kursiert ein Märchen wie ein Albtraum.

Du stehst hier oben und beobachtest alles, siehst, dass die Welt einem Zombie gleich in der Dunkelheit gefangen ist, sinkt und sinkt, immer tiefer. Die Welt voller Sünde. Den Menschen laufen so viele Tränen aus den Augen, dass man darin ein Bad nehmen könnte. Alles ist deutlich zu erkennen und doch könnte alles anders sein, viel leichter und schöner, aber der Anblick ist meist zu schrecklich. Aber auf diesem Gipfel ist es auch nicht leicht, denn es wird hier immer Winter sein, immer schneien und frieren, bis in alle Ewigkeit, solange die Menschen nicht auf die Idee kommen, mit all dem aufzuhören. Alles hängt von ihnen ab.

„Das Gestern ist Geschichte, das Morgen nur Gerüchte, doch das Heute ist die Gegenwart und die zu erleben ist ein Geschenk!“

DLS_Vika_2013Vika Mirianashvili lebt in der georgischen Stadt Telawi. Mit acht Jahren hat sie begonnen, Deutsch zu lernen. Sie liebt die deutsche Sprache und das Land. Ihr großer Traum ist, nach Deutschland zu reisen.

Texte von Vika Mirianashvili aus Georgien
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