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Arbeitsmigration: Polen im Ausland – von Dagmara Sikora

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Arbeitsmigration – Polen im Ausland

Der Grund für die Migration vieler Polen liegt in ihrer schlechten finanziellen Situation, die von der hohen Arbeitslosigkeitsquote in meinem Land verursacht wird.
Ins Ausland emigrieren am häufigsten junge Leute, die niedrige berufliche Qualifikationen haben und oft schon länger als ein Jahr nach Arbeit suchen. Manche denken auch, dass sie in Polen zu niedrige Löhne für ihre Arbeit bekommen. Andere wiederum müssen ihre Berufserfahrung im Ausland sammeln oder wollen dort beruflich Karriere machen. Die Auswanderung in andere Länder ermöglicht sowohl ein besseres Verständnis der Kultur der Nachbarländer als auch eine Verbesserung der Sprachkenntnisse.
Auch wenn die Arbeitsmigration in vielen Fällen die Lösung zu sein scheint, ist es doch nicht immer so.

Nach einer Untersuchung, die im Auftrag des polnischen Bürgerbeauftragten angefertigt wurde, wird die Mehrheit der Migranten aus Polen im Ausland gut behandelt. Ich möchte es mit einem Beispiel aus den Niederlanden veranschaulichen. Dort sind die letzten Zugangsbeschränkungen für die neuen Arbeitskräfte aus Polen am 1. März 2007 gefallen. Jeder Arbeiter aus den neuen EU-Staaten ist willkommen, denn er wird dringend gebraucht. Branchen wie z.B. das Baugewerbe suchen dort Arbeitskräfte. Dank der Ӧffnung des Arbeitsmarkts können sie auf ein größeres Wachstum hoffen. Per Gesetz hat die Regierung dort festgelegt, dass die neuen Arbeiter genauso viel verdienen müssen wie ihre niederländischen Kollegen. Außerdem sollen die Arbeitskräfte nur über zertifizierte Agenturen in die Niederlande vermittelt werden. In Vereinbarungen mit der Regierung haben sich die Arbeitgeber verpflichtet, für anständige Unterkünfte zu sorgen. Bei einer Aufsichtsstelle können Verstöße gegen die neuen Regeln gemeldet werden. In diesem Fall sind die Effekte der Arbeitsmigration für das Gastland positiv. Arbeitnehmer aus Osteuropa haben dazu beigetragen, Qualifikationslücken in den alten EU-Mitgliedsstaaten zu schließen.

Aber es gibt auch die Kehrseite der Medaille, also negative Aspekte. In vielen Situationen werden die Gastarbeiter aus Polen ausgebeutet. Die Ausbeutung betrifft hauptsächlich die Arbeiter die keine beruflichen Qualifikationen aufweisen können und/oder die Landessprache nicht oder nur unzureichend beherrschen. Aus der Untersuchung, auf die ich mich oben bezogen habe, geht auch hervor, dass manche Arbeitgeber ihren ausländischen Angestellten eine Nummer verliehen haben, die ihren Namen ersetzt, d.h. statt mit ihrem Namen, werden die Arbeitnehmer mit den ihnen zugeteilten Nummern angesprochen.

Bei der Arbeitsmigration spielen die Stellenvermittlungsagenturen eine große Rolle. Die Migranten werden von manchen Agenturen ausgebeutet. Diese versprechen ihnen oft das Blaue vom Himmel. Wenn der von ihnen vermittelte Arbeitnehmer dann aber an seinen Arbeitsplatz kommt, ist er oft zu sehr langen Arbeitszeiten gezwungen und erhält dafür nur einen Hungerlohn. Die Vermittler verpflichten die Migranten auch manchmal dazu, alles selbst zu bezahlen: die Unterkunft in Mehrbettzimmern, die Beförderung zum Arbeitsort, eventuelle Arztbesuche usw.
Als Beispiel für diese Ausbeutung können die in Altenheimen in Großbritannien beschäftigten Polinnen dienen. Normalerweise kennen diese die Realität des britisches Arbeitsmarktes nicht und haben nicht den nötigen Mut, ihre Rechte einzufordern oder sich den unzulässigen Forderungen des Arbeitgebers zu verweigern. Infolgedessen werden die Migranten, die dieselbe Arbeit wie die lokalen Angestellten verrichten, oft schlechter behandelt, und oft haben sie eine höhere Arbeitsbelastung und weniger Freizeit.
Ausbeutungen sind auch in anderen Bereichen des Arbeitsmarktes anzutreffen und können vielfältige Formen annehmen, wie zum Beispiel: Abhängigkeit vom Arbeitgeber durch Schulden, fiktive Abzüge vom Gehalt oder die Arbeit unter gesundheitsschädlichen Bedingungen.

Nicht unerwähnt bleiben darf auch, dass nicht nur die ausländischen Vermittler die Polen betrügen. Polnische Firmen, die die Ausschreibungen für verschiedene Arbeiten in Deutschland gewinnen, versprechen ihren Landsleuten verlockende Arbeitsbedingungen, Aufwandsentschädigungen, Hilfe bei der Wohnungssuche und deren Finanzierung und einen beträchtlichen Lohn. Die Wirklichkeit weicht leider oft erheblich von diesen Versprechungen ab. Die Unternehmen garantieren ihren Angestellten nicht die erforderlichen Wohnbedingungen, finanzieren ihre Schutzkleidung nicht und bezahlen oft auch nicht die obligatorischen Beiträge zur Gesundheits- und Rentenversicherung.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Entscheidung für die Arbeitsmigration viele Gefahren mit sich bringen kann. Ich bin überzeugt davon, dass man nur auswandern sollte, wenn man eine sichere Arbeitsstelle und Vertrauen in den dortigen Arbeitgeber hat. Es wäre am besten, die Landsleute, die vorher dort gearbeitet haben, nach ihrer Meinung und ihren Erfahrungen zu fragen.
Ich hoffe, dass ihr in meinem Text all das erfahren habt, was ihr über die Arbeitsmigration der Polen wissen wolltet.

DLS_Dagmara_Lublin_PolenDagmara Sikora kommt aus Polen. Sie lebt in Lublin, wo sie an der Universität Angewandte Linguistik studiert.

Texte von Dagmara Sikora aus Polen
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